„Oh, wie viele Geschenke! Eins, zwei, drei, vier...“ – Dick lief am Tisch entlang und zählte die in buntem Papier verpackten Päckchen, umwunden mit farbigen Bändern und großen Schleifen. Seine Mutter und seine Tante Gladys bereiteten all diese Geschenke zu Weihnachten für zahlreiche Verwandte und Freunde vor. „Fünfunddreißig!“ – verkündete Dick. „Für wen sind denn all diese Geschenke?“ „Stör uns nicht, Liebling“, sagte seine Mutter. „Siehst du denn nicht, wie beschäftigt wir sind?“ „Ich werde es dir sagen, Dick“, sagte Tante Gladys und küsste ihn. „Diese drei sind für Papa, diese zwei für Oma und dieses hier für Cousine Alice…“ Tante Gladys las die ganze Liste vor und zeigte auf jedes Geschenk auf dem Tisch. Als sie fertig war, sah Dick verwirrt aus. „Und wo sind die Geschenke für Jesus?“ fragte er betrübt. „Du bist ein lustiger kleiner Junge“, lächelte Tante Gladys und wandte sich an seine Mutter. „Was meint er denn damit?“ „Oh, nichts“, sagte seine Mama. „Er stellt nur gerne Fragen.“ Seine Mutter war sehr müde vom Einkaufen und Verpacken der Geschenke, und das war nicht gerade der richtige Zeitpunkt für Fragen. Aber Dick wollte verstehen, was ihn verwirrte, und fragte erneut: „Heute ist doch Jesu Geburtstag, nicht wahr? So hat Miss Mary, meine Sonntagsschullehrerin, gesagt. Warum schenken wir Jesus dann keine Geschenke?“ „Wie sollen wir Jesus Geschenke machen, mein lieber Junge?“ fragte Tante Gladys. „Jesus ist ja im Himmel!“ „Er ist aber auch hier!“ sagte Dick fest. „Er ist im Himmel, in der Kirche und überall! Und wenn es Sein Geburtstag ist, verstehe ich nicht, warum Er keine Geschenke bekommt!“ „Dick, Liebling, draußen ist es nicht so kalt“, sagte die Mutter. „Willst du nicht deine Jacke anziehen und ein bisschen draußen spielen?“ „Nein“, erwiderte Dick. „Ich will Jesus ein Geschenk schicken!“ „Aber wohin willst du es schicken, Dick?“ fragte Tante Gladys. „Und was willst du schenken?“ „Ich weiß nicht“, gab der Junge zu, „aber Miss Mary weiß es. Sie hat gesagt, Er ist unser bester Freund! Und ich denke, sie muss alles über ihren besten Freund wissen, oder?“ „Gut, mein Lieber“, sagte die Mutter, „dann lauf zu Miss Mary, während Tante Gladys und ich die Geschenke fertig machen.“ Dick zog sich an und lief zum Haus von Miss Mary. Er blieb lange bei ihr, und als er nach Hause kam, sah er sehr glücklich und wichtig aus. „Er ist hier“, sagte Dick bestimmt, „und wir werden Ihn eines Tages sehen, aber jetzt noch nicht. Und wir können Ihm Weihnachtsgeschenke machen, wenn wir wollen, und Er möchte, dass wir das tun. Miss Mary hat mir gesagt, wie das geht, und sie will mir helfen. Mama, ich brauche all mein Geld. Darf ich morgen mein Sparschwein zur Bank bringen, damit es dort geöffnet wird, und ich nehme das ganze Geld? Miss Mary wird mitkommen.“ „Natürlich darfst du, Dick“, antwortete die Mutter. „Es ist dein Geld, und du kannst es ausgeben, wie du willst.“
Am nächsten Morgen ging Dick früh mit Miss Mary zur Bank. Er trug sorgsam sein Sparschwein in Form eines Schweinchens. Er hatte es von der Bank bekommen. Es war ein besonderes Sparschwein. Wenn man auf die Feder drückte, öffnete das Schweinchen den Mund und verschluckte die Münze, die man ihm gab. Und man konnte sie nicht wieder herausnehmen. Nur wenn man das Sparschwein zur Bank brachte, konnte es geöffnet werden. Dick mochte es, das Schweinchen zu füttern, und er steckte die meisten Geldstücke hinein, die er bekam. Das Schweinchen war schon ziemlich schwer und so voll, dass es keine „Nahrung“ mehr schlucken konnte. Als der Bankangestellte das Sparschwein öffnete, rollten so viele Geldstücke heraus, dass Miss Mary überrascht war. Denn wenn viele von Dicks Tanten und Onkeln zu Besuch kamen, gaben sie ihm Kleingeld und manchmal sogar Dollar, und Dick hatte alles immer seinem „Schweinchen“ gegeben. „Oh, Dick!“ rief Miss Mary aus. „Ich kann dieses ganze Geld nicht ohne Erlaubnis deiner Mutter ausgeben.“ „Sie hat gesagt, ich darf alles ausgeben“, sagte Dick. Aber Miss Mary rief doch noch an und fragte seine Mutter, ob Dick das ganze Geld ausgeben dürfe. Die Mutter bestätigte ihre Zustimmung. „Nun, Dick“, sagte Miss Mary, „hast du verstanden, was ich dir gestern erklärt habe? Dass du etwas für Jesus tust, wenn du einem Menschen, der Hilfe braucht, Gutes tust? Wir schenken Jesus Weihnachtsgeschenke, indem wir sie denen geben, denen Er helfen möchte. Dick nickte: Ja, er hatte verstanden! „Du hast hier viel Geld, und wir müssen es gut ausgeben. Bevor wir in den Laden gehen, möchte ich dich zu einem Jungen mitnehmen, der ungefähr in deinem Alter ist.“ „Gut“, stimmte Dick zu. „Macht er gern Sport?“ „Das würde er gern“, lächelte Miss Mary. „Aber du wirst selbst sehen, warum er es nicht kann.“ Sie hielten vor einem ordentlichen Haus und klopften an. Im Zimmer sahen sie einen Jungen in einem großen Sessel. Er begrüßte Miss Mary fröhlich und lächelte Dick verlegen an, stand aber nicht auf. Dick hatte gelernt, dass man sich nach den Regeln der Höflichkeit erhebt, wenn eine Dame den Raum betritt. Im nächsten Moment verstand er, warum der Junge nicht aufstand. Seine Beine waren sehr dünn; eines war viel dünner als das andere, und er konnte es nicht bewegen. Er konnte nicht gehen, nicht einmal stehen. Dick verstand nun, warum Fred Wilson, der kleine Krüppel, keinen Sport treiben konnte. Nur zu denken, dass er den ganzen Tag im Bett liegen oder auf einem Stuhl sitzen und niemals, niemals aufstehen konnte! Kein Wunder, dass Freddy blass und müde aussah. Oh, wie gern hätte Dick ihm geholfen! „Nun gehen wir in den Laden“, sagte Miss Mary, als sie sich von Fred verabschiedet hatten und aus dem Haus gingen. „Ich möchte das ganze Geld für Fred ausgeben“, sagte Dick. „Das wird doch ein Geschenk für Jesus sein?“ „Ja“, bestätigte Miss Mary. „Das wird ein wunderbares Geschenk sein!“ Sie verbrachten viel Zeit im Laden. Und was für ein glücklicher Tag das war! Alle Einkäufe mussten noch am selben Tag zu Fred gebracht werden, weil Heiligabend war. Am selben Abend gingen Dick und Miss Mary noch einmal zu Freds Haus, um zu sehen, was dort geschah. Was meinen Sie, was sie dort sahen? Fred saß in einem neuen Rollstuhl, genau passend für seine Größe. Und wie glücklich er war! In seinen Händen war nicht viel Kraft, aber der Rollstuhl ließ sich so leicht bewegen, dass er sich selbst im Zimmer fortbewegen konnte. Das war wunderbar, und der Junge lachte fröhlich. Und das war noch nicht alles. Auf dem Boden standen viele, viele Schachteln. Schachteln mit Spielzeug, Süßigkeiten und Obst. Es sah so aus, als wäre bei ihnen zu Hause an Weihnachten der Tisch mit vielen Päckchen bedeckt gewesen. Dick konnte es kaum erwarten, nach Hause zu gehen und seinen Eltern und Tante Gladys alles zu erzählen. Als er nach Hause kam, traf er dort seinen Lieblingsonkel Harry. Onkel Harry war ein reicher Mann und liebte kleine Kinder sehr. „Der Junge sollte ein Radio bekommen“, sagte er. „Und wir gehen jetzt los, um eins zu kaufen; ja, Dick?“ Dick war begeistert. „Noch ein Geschenk für Jesus!“ rief er freudig aus. Alle Erwachsenen sahen ihn überrascht an, und Dick musste erklären, was Miss Mary ihn gelehrt hatte. „Sie hat mir auch geholfen, einen Bibelvers zu lernen“, fügte er hinzu, „aber er ist ziemlich lang, und ich habe nicht alles behalten. Er beginnt so: ‚Denn so... denn so...‘“ „‚Denn so ihr es einem meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr es mir getan‘“, zitierte die Mutter leise mit Tränen in den Augen. „Ich fürchte, wir haben das vergessen und nicht so gehandelt.“ „Nächstes Jahr“, sagte der Vater und umarmte Dick, „werden wir es besser machen, und Dick wird uns helfen, Jesus mehr Geschenke zu geben, nicht wahr?“ Dick nickte freudig und bestätigte: „Es ist ja Sein Geburtstag!“ Onkel Harry gab ihm fünf Dollar als Anfang, damit er wieder sein neues Schweinchen füttern konnte.
G. Mehontseva, in: Nashi Dni