In den sechziger Jahren erhielt die Gemeinde der Ortskirche in Kramatorsk einen sehr interessanten Brief aus Leningrad. Ein alter Mann berichtete, dass ihm in diesem eher unbedeutenden Provinzstädtchen etwas Wichtiges widerfahren sei. Während des Krieges war er dort gewesen, verwundet und in einem Krankenhaus untergebracht, das sich in einer Schule befand. Am Stadtrand tobten Kämpfe, und regelmäßig fielen Bomben auf die Stadt. Ungewissheit, Unsicherheit und das starke Verlangen zu leben verursachten bei den Soldaten Angst und Sehnsucht.
Kürzlich hatten sie noch das Neujahrsfest gefeiert, nun rückte Weihnachten nach altem Stil näher. Die Patienten des Lazaretts versanken in Erinnerungen an Kindheit, Familie und geliebte Freunde. Einige dachten auch an Weihnachten, das sie unter ihren Angehörigen verbracht hatten. Plötzlich kam eine Schwester in die Krankenzimmer und kündigte an:
– Die Baptisten sind gekommen, um euch zu Weihnachten zu gratulieren. Ist jemand dagegen?
Die Soldaten hatten viel Zeit miteinander verbracht und kannten sich recht gut. Die Themen für Gespräche waren inzwischen erschöpft. Die eintönigen Tage zogen sich langsam dahin. Jeder dachte für sich, rieb sich von Zeit zu Zeit die Stirn, kratzte sich am Hinterkopf oder seufzte tief. Nun aber kamen Besucher: einige Baptisten. Wer hätte etwas dagegen sagen können? Natürlich baten alle einstimmig darum, die Gäste hereinzulassen.
Die Schwester wandte sich an die offene Tür und machte eine einladende Geste. Und da traten … ein Junge und ein Mädchen ein. Mutig und keineswegs verlegen wegen der offenen Münder der erwachsenen Männer, wünschten sie den verwundeten Soldaten frohe Weihnachten, erzählten vom Kommen Jesu in unsere Welt und von dem Heil, das Er allen Menschen brachte. Es erklang ein Gedicht und mehrere Lieder über Gottes Liebe.
Nachdem die kleinen Gäste gegangen waren, wurde in der Station den ganzen Abend lebhaft über das Gehörte diskutiert. Die Worte über den Herrn ließen an jenem Abend niemanden kalt. Der Krieg, die Nähe zum Tod und die Trennung von den Lieben machten die Menschen offen für die Frohe Botschaft, für das Gespräch über Gott...
Der Krieg ging zu Ende. Allmählich verblassten in den Erinnerungen der Menschen die schweren Bilder von seinen Schrecken und seiner Grausamkeit. Doch das, was die kleinen Christen gesät hatten, ging im Herzen eines der verwundeten Soldaten auf, der damals im Kramatorsker Militärhospital lag. Er begann, nach dem Herrn zu suchen. Die Worte der kleinen Kinder ließen ihm keine Ruhe, und er fand die Kirche. Als Christ versuchte er viele Male, jene ehemaligen Kinder wiederzufinden, die ihnen einst von Christus erzählt hatten. Bis heute blieben diese Versuche erfolglos.
Vielleicht erkennt sich jemand unter den Lesern dieser Notiz in den kleinen Kindern wieder, oder Verwandte oder Freunde... Doch wohl nur der alte Mann, der zum Herrn gegangen ist, kann im Himmel diesen kleinen Evangelisten begegnen und ihnen seinen Dank ausdrücken.
„Ihr seid das Licht der Welt.“ (Mt. 5:14) Alexei Balahon 3. Mai 2008, Nr. 2074
Aleksei Balakhon, in: Nashi Dni Nr. 2074, 3. Mai 2008