Natürlich, ich habe nichts dagegen, zu Christus zu kommen, und eines Tages werde ich es tun! – antwortete jemand ausweichend seinem Gesprächspartner. – Doch im Moment möchte ich noch die Freuden und Vergnügungen dieser Welt genießen! Welch ein Wahnsinn, die Unbeständigkeit und Unsicherheit des Lebens zu ignorieren! Denn der Zug oder das Flugzeug, mit dem Sie zu reisen gedenken, könnte Sie in die Ewigkeit befördern, wo Sie vor dem Gericht Gottes stehen werden! Die Passanten auf der Straße, die Sie überqueren, könnten schon in wenigen Augenblicken Ihren leblosen Körper sehen, der von einem Auto erfasst wurde. In diesem Moment, während Sie vielleicht Pläne für morgen schmieden, spricht die Stimme Gottes zu Ihnen: „Du Narr! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern“ (Lukas 12,20). Denken Sie an den reichen Mann aus dem Evangelium. Wusste er, dass ihm nicht vergönnt war, den Morgen zu erleben und dass die kommende Nacht seine letzte sein würde? Nein, das wusste er nicht. Er legte sich mit den rosigsten Plänen für viele Jahre nieder. Doch plötzlich, in der nächtlichen Stille, ertönte die Stimme Gottes: „Du Narr! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern“ (Lukas 12,20). „Narr“ nannte ihn Gott. Ein Mensch ist ein Narr, wenn alle seine Vorbereitungen nur für das irdische Leben getroffen sind und nicht für die Ewigkeit. Das zweite Kommen Christi naht, und der Herr betont dabei stets eines – seine Plötzlichkeit. „Seid bereit“, sagt Er, „denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht meint“ (Lukas 12,40). Bist du bereit, Freund, für Sein Kommen? Und wie würdest du dich fühlen, wenn Er heute, in diesem Moment, käme? Den Zeitpunkt Seines Kommens können wir nicht wissen, aber es wird plötzlich sein, „in einem Augenblick“. „Gott ist von mir gewichen!..“ (1. Samuel 28,15) – das waren die traurigsten Worte im Leben von König Saul. Es ist schwer, wenn uns nahe Menschen verlassen. Aber wenn Gott selbst sich abwendet, dann ist alles vorbei und es gibt keine Hoffnung mehr! Viele Male hat der Sünder den Ruf des Heiligen Geistes, zu Christus als seinem Erlöser zu kommen und sich mit Gott zu versöhnen, abgelehnt, und viele Male hat er dem Heiligen Geist geantwortet: „NEIN!“ Und eines dieser „Nein“ könnte für diesen Menschen das letzte sein. Die Barmherzigkeit Gottes wird zum letzten Mal abgelehnt werden. Eine neue Gelegenheit zur Rettung wird es nicht mehr geben. Gott hat sich für immer von ihm abgewandt. Vielleicht wird dieser Mensch weiterhin evangelische Versammlungen besuchen, aber sein Herz wird sich nie mehr für Christus öffnen, denn der Geist Gottes wird ihn nicht mehr „beunruhigen“. Keine Predigt wird mehr sein Herz berühren. Er wird völlig gleichgültig gegenüber seinem Zustand sein. Dieser Mensch ist für immer verloren. „Mein Geist soll nicht ewig mit dem Menschen rechten“, sagt Gott (1. Mose 6,3). Welch eine ernste Warnung! Nehmt Ihn an, solange es noch nicht zu spät ist! Der bekannte christliche Prediger des späten 19. Jahrhunderts, D. L. Moody, hatte eine besondere Bibelklasse. Alle Mitglieder der Klasse waren gerettet, außer einem, der weiterhin dem Ruf Gottes widerstand. Eines Tages sagte er zu Moody: – Ich reise in den Fernen Westen und wenn ich reich geworden bin, werde ich zurückkehren und dann über meine Seele und die Versöhnung mit Gott nachdenken. Einige Zeit später erfuhr Moody, dass dieser Mann nirgendwo hingereist war; er war erkrankt. Moody besuchte ihn und drängte ihn, zu Christus zu kommen, aber der Kranke lehnte erneut ab: – Ich habe nicht vor, jetzt zu sterben! Zuerst muss ich diese Reise machen, und dann werde ich Christ werden. Mit schwerem Herzen ging Moody, fühlend, dass in diesem Herzen des Mannes etwas unwiderruflich Schreckliches geschehen war. In der Nacht weckte ihn ein Klopfen an der Tür. Als er aus dem Fenster schaute, sah er eine junge Frau, die mit verzweifelter Stimme sagte: – Mein Mann stirbt! Ich habe Angst! Bitte, kommen Sie zu uns! Es war die Frau des jungen Mannes, den er am Vortag besucht hatte. – Jetzt ist es nutzlos! – antwortete Moody mit Traurigkeit in der Stimme. – Vor einigen Stunden hat Ihr Mann sich geweigert, Christus anzunehmen. Er hat den Herrn abgelehnt, und ich fühlte, dass der Herr ihn abgelehnt hat. Die Zeit der Gnade für ihn ist vorbei. Dennoch, den eindringlichen Bitten der Frau nachgebend, zog sich Moody an und ging. Als er das Zimmer betrat, sah er den Kranken auf dem Bett liegen. Seine Augen waren weit geöffnet, aber er war bewusstlos. Als Moody näher trat, hörte er den Kranken immer wieder dieselben Worte murmeln: – Zu spät... zu spät... zu spät... Auf die Knie am Bett des Sterbenden fallend, nahm Moody seine Hände und begann zu beten. Der junge Mann blieb unempfindlich. Seine Augen waren nach oben gerichtet, und seine Lippen flüsterten immer wieder dasselbe: – Zu spät... zu spät... Moody tat alles, um ihn wieder zu Bewusstsein zu bringen, aber alle Versuche waren vergeblich. So starb der Mann, flüsternd mit kaum hörbarer Stimme immer wieder dieselben tragischen Worte: „ZU SPÄT!“ Aus dem Englischen von E. Clark (Australien)
E. Clark (Australien), in: Nashi Dni Nr. 1964, 25. Februar 2006