„Liebe Frances, warum willst du nicht zu uns ins Wohnzimmer kommen?“, fragte Mary ihre Schwester flehend. „Du könntest dort lesen; es ist so gemütlich, vor dem Kamin zu sitzen und die Füße zu wärmen!“ Doch Frances lehnte ihre Bitte sanft ab: „Dann könnte ich nicht aufmerksam und nachdenklich lesen. In der Bibel kann man so erstaunliche Dinge finden!“ Und so blieb Frances in ihrem kleinen Arbeitszimmer sitzen. Durch das Fenster strömten Sonnenlichtstrahlen herein und vergoldeten ihr Haar, das in Locken auf ihre Schultern fiel. Ihr liebliches Gesicht strahlte vor Freude und Inspiration. Sie arbeitete am Wort ihres Königs! Auf dem Tisch lagen Bleistifte und Papier, eine Bibel auf Englisch, eine Bibel auf Hebräisch, das Neue Testament auf Griechisch, Lexikologie und eine Schreibmaschine mit englischer Schrift. Diejenigen, die ihre Hymnen singen oder ihre einfachen Broschüren lesen, haben das Gefühl, ein inspiriertes Gespräch mit einem lebendigen Menschen geführt zu haben. Frances Ridley Havergal wurde 1836 in England in der Familie eines anglikanischen Geistlichen geboren. Sie zog die Aufmerksamkeit ihrer Umgebung von klein auf nicht nur durch ihre Schönheit, sondern auch durch ihren außergewöhnlichen Verstand und ihre Fähigkeiten auf sich. Sie lernte mit drei Jahren lesen und wurde oft unter dem Tisch gefunden, vertieft in die Lektüre einer spannenden Geschichte. Bis zum Alter von acht Jahren vermied sie es, mit Verwandten und Freunden über die Bedürfnisse ihrer Seele zu sprechen. Doch als sie acht Jahre alt wurde, rief sie eines Frühlingsmorgens aus: „Oh, wenn Gott mich doch zu einer Christin machen würde, bevor der Sommer kommt!“ Von diesem Zeitpunkt an war sie beständig in ihrem Suchen nach Gott. Mit elf Jahren schrieb sie: „Oh, wenn ich Flügel hätte wie eine Taube, würde ich in den blauen Himmel fliegen, dorthin, wo der Retter ist, den ich liebe, und dort an seiner Brust ruhen.“ Dennoch war ihr Glaube an die Erlösung
Nashi Dni Nr. 1943, 1. Oktober 2005