Der Hirte trieb die Schafe von den grünen Wiesen an das Meeresufer, zu den Felsen und Steinen. Kein essbares Hälmchen war an den Hängen zu finden – die ganze Herde wanderte durch die öden Gräben. Betrachtet man dies von außen, so ist es leicht, den Hirten zu verurteilen, doch im Verurteilen liegt weder Gutes noch Licht... Wer urteilt, ist in den Fängen der Sünde. Der Hirte ist nicht dumm, ihm sind Launen fremd, er ist in seinem Bereich der Herrscher, der König. Er treibt die Herde zum Meer, oben und unten, er weiß, dass die Tiere Salz brauchen. Da ist eine Reihe von Steinen; alle sind weiß-grau, wie gierig die Schafe diese Steine lecken! Nachdem sie die Wiese, reich an Gras und Wasser, verlassen haben, drängen sie sich in enger Gemeinschaft. Was ist die Lehre dieser Parabel? Auch uns führt der Herr manchmal dorthin, wo uns scheinbar Leiden erwartet, wo zwischen den Steinen salziges Wasser ist. Unser guter Hirte hat alles bedacht und abgewogen: Auf der üppigen Wiese kann man leicht fett werden. Nur wer Salz annimmt, wird mit der Seele fröhlich sein, der in der Fülle erkalten könnte. Auf den irdischen Wegen liegen Freude und Leid nah beieinander, auf das Glück folgt eine Kette trauriger Tage. Nicht ewig die Wiese, manchmal das Meeresufer, nicht ewig das Gras, manchmal das Salz der Steine.
R. Berjosow, in: Nashi Dni