Mein Vater, als Christ in der x-ten Generation, beschloss, den Hadsch zu unternehmen, oder, christlich gesprochen, eine Pilgerreise ins Heilige Land. Seit frühester Kindheit hegte er diesen Gedanken, er wurde ihm sogar zur fixen Idee. Und so erfüllten sich endlich seine Träume, und seine Füße berührten den sandigen Boden des irdischen Kanaan. Auf der Erde lebend in einer Zeit der aktiven Nutzung metallischer Fluggeräte und nach Zahlung von mehreren hundert Dollar befand er sich problemlos im Heiligen Land. Dort erwartete ihn eine Menge Überraschungen, oder, wie man heute sagt, „Gags“. Auf einem Markt stellte er fest, dass man am Ende des Arbeitstages unverkaufte Früchte und Gemüse kostenlos und in unbegrenzter Menge verzehren kann, damit sie nicht endgültig verderben. Es wäre einfach unvernünftig gewesen, diese verlockende Möglichkeit, den eigenen Körper mit Vitaminen zu sättigen, nicht zu nutzen. Der ausgehungerte Vater ließ sich diese Chance weder an jenem Tag noch am nächsten entgehen. Da begriff er, was „verfaulender Kapitalismus“ ist. Allerdings kam es zu einem kleinen Missverständnis, und die Polizei hätte ihn beinahe verhaftet, denn wie sich herausstellte, war er in seiner Eile und aus gutmütiger Einfalt auch bereit, nicht ganz verdorbene Früchte zu vertilgen. Das kann dort als Eingriff in fremdes Eigentum gelten. An der Klagemauer freute er sich besonders, obwohl andere aus irgendeinem Grund in Tränen ausbrachen. Dabei mahnte schon der Apostel Paulus: „Lasst uns nicht trauern wie die anderen, die keine Hoffnung haben.“ Und weiter: „Freut euch allezeit.“ Die sich an jener Mauer freuen, werden dort aus irgendeinem Grund feindselig wahrgenommen, wie palästinensische Terroristen. Im Toten Meer wäre der Vater beinahe ertrunken, obwohl man sagt, dass die hohe Salzkonzentration alle energisch nach oben drückt. Das Mittelmeer… „Am Ufer der öden Wellen stand er, voll großer Gedanken“, wie einst sein Namensvetter Peter, nur der Erste. Und als er mit einem Boot über das Galiläische Meer fuhr und mit dem „Euraklydon“ in Berührung kam, der die Meeresoberfläche aufwühlte, begann der Vater laut zu singen: „Schrecklich tobt das Lebensmeer.“ Zuerst war es ein Solo, dann begann jemand, ihn zu begleiten. Die Erregung der Passagiere ließ nach, und auch die Meereswellen legten sich. Er durfte auch am Grab des Herrn stehen. Unvergesslich war für ihn jener Moment, als er über die Probleme der weltweiten Verkündigung nachdachte und plante, in dieses Land zurückzukehren, in dem „Milch und Honig fließen“. Wie man sagt, könnte man mit seinen süßlichen Lippen nur Honig trinken, wenn in diesem Land neben Milch und Honig nicht auch so reichlich das Blut der Opfer von Terroranschlägen flösse. Und diese „Aktionen“ werden immer mehr. Übrigens fragte ich den Vater, ob er bei einem der Araber „Schahid-Gürtel“ gesehen habe, die sehr in Mode kommen, und er gestand mir offen, dass er solche nicht bemerkt habe; und hätte er welche gesehen, wäre das wohl das Letzte gewesen, was er in seinem Leben gesehen hätte. Und natürlich hätte er mir in einem solchen Fall seine Erinnerungen nicht mehr mitteilen können. Von dem heißen Wunsch entflammt, erneut nach Israel zu reisen und sich vielleicht sogar dem auserwählten Volk Gottes anzuschließen, kühlte er später etwas ab. Schließlich nähern sich die Lebensjahre der Achtzig...
Alexander Savchenko, in: Nashi Dni Nr. 1981, 24. Juni 2006