„Können wir jetzt gehen, Papa?“ fragte Kolja hoffnungsvoll. „Dürfen wir mit Kirill spielen gehen?“ „Nein“, antwortete der Vater. „Ich möchte, dass ihr beide eurer Mutter im Garten helft, Unkraut zu jäten.“ Kolja und Kirill gingen langsam in den Garten. „Ich wünschte, wir hätten mehr Zeit zum Spielen“, beklagte sich Kolja. Kirill nickte zustimmend: „Ich auch.“ „Wenn ich erwachsen bin“, fuhr Kolja fort, „werde ich nicht die ganze Zeit arbeiten wie Papa. Wenn ich erwachsen bin, muss ich niemandem gehorchen.“ Nachdem die Jungen ihrer Mutter geholfen hatten, erlaubte sie ihnen, am Bach zu spielen. Beim Planschen im Wasser vergaßen sie ganz, dass sie erwachsen sein wollten. Jetzt hatten sie einfach viel Spaß, wie kleine Jungen. Etwas später hörten sie ihren Vater rufen. Die Jungen rannten nach Hause. Es war Zeit, ihre Hausarbeiten zu erledigen. Der Tag verging sehr schnell. „Kolja, hilf deiner Mutter, den Mülleimer hinauszubringen, bevor du die Kälber fütterst“, befahl der Vater. Kolja rümpfte seine sommersprossige Nase. Diese Arbeit gefiel ihm nicht. „Und hör auf zu schmollen“, sagte der Vater, „mach es mit einem Lächeln.“ „Schade, dass ich nicht erwachsen bin“, sagte Kolja. „Dann müsste ich nicht arbeiten und niemandem gehorchen. Ich würde einfach tun, was ich will.“ „Weißt du nicht, dass Erwachsene auch Gesetzen gehorchen und anderen Menschen gegenüber gehorsam sind?“ fragte der Vater. Kolja schüttelte ungläubig den Kopf. „Ja, ja, das ist so“, bestätigte der Vater. „Zuerst sind wir der Bibel gehorsam, weil Gott es so will. Die Bibel befiehlt uns, den kirchlichen Regeln und der Regierung zu gehorchen, außer wenn sie etwas verlangen, das Gottes Geboten widerspricht“, erklärte der Vater. „Die Bibel lehrt uns, den Gesetzen des Landes zu gehorchen. Das bedeutet, dass wir die Verkehrsregeln einhalten müssen. Es gibt Gesetze, nach denen wir Gebäude bauen. Auch erhebt die Regierung einen bestimmten Teil des Geldes, das wir jedes Jahr verdienen. Wir nennen das Steuern. Die Bibel befiehlt uns, Steuern zu zahlen.“ Kolja war überrascht. Er hatte nicht geahnt, dass Erwachsene in vielen Dingen gehorsam sein müssen. „Menschen, die dem Gesetz nicht gehorchen, kommen ins Gefängnis“, fügte der Vater hinzu. Kolja schüttelte enttäuscht den Kopf. „Das will ich nicht“, sagte er. „Nein, wir wollen es“, korrigierte der Vater. „Wir wollen gehorsam sein, zuerst der Bibel und dann auch den anderen Gesetzen.“ Tief in Gedanken versunken ging Kolja, um den Müll hinauszubringen. Heute hatte er etwas Neues gelernt. Er hatte gelernt, dass gute Väter nicht nur leben, um sich selbst zu gefallen. Sie leben auch zum Wohle anderer. Gott war sehr gut zu ihm, indem er ihm einen christlichen Vater gegeben hatte, der dem Gesetz gehorcht und seine Kinder lehrt, dasselbe zu tun.
„Semja istiny“, in: Nashi Dni Nr. 1771, 20 April 2002