Das Volk lebte in Freiheit und Wohlstand. Jedes Jahr wuchsen die Gebetshäuser, und das Leben wurde besser. Doch 1928 änderte sich alles. Satan und seine Diener konnten es nicht ertragen, dass das Volk Gott lobte. Orthodoxe Kirchen und Gebetshäuser wurden geschlossen. Gläubige, die Gott treu waren, wurden inhaftiert oder in Lager geschickt. Die Menschen wurden in Kolchosen gezwungen, ihr Brot wurde genommen, und 1933 begann eine schreckliche Hungersnot. Auch uns traf das Unglück. Wir wurden zu 'Volksfeinden' erklärt und verfolgt. Mein Vater und ich mussten fliehen und ließen meine Mutter mit kleinen Kindern, dazu noch schwanger, allein zurück. Parteifunktionäre warfen sie auf die Straße. Die Kinder schwollen vor Hunger an und wären fast gestorben. Doch der barmherzige Herr ließ niemanden sterben, alle überlebten. Als ich nun auf einem leeren Feld am Rande von Charkiw stand und von Erinnerungen überwältigt weinte, erinnerte ich mich, dass ein Arbeitskollege in der Nähe wohnte. Ich beschloss, ihn zu besuchen. Ich wurde wie ein lieber Gast empfangen; die Mutter meines Kollegen gab mir ein Glas Tee, Kuchen und Brot mit Speck. Eine kleine Geste, doch ich kann diese Minuten bis heute nicht vergessen.
Nikolai Schewtschenko, in: Nashi Dni Nr. 1821, 19. April 2003