Ein Prediger wünschte sich sehr, dass sein Nachbar zum Glauben findet. Er sprach oft mit ihm und lud ihn mehrmals zu den Versammlungen ein. Doch der Nachbar kam nur gelegentlich. Wenn er im Gotteshaus war, bemühte sich der Prediger besonders, dass seine Predigt das Herz des Nachbarn berührte. Bei einer der Versammlungen wandte sich der Nachbar schließlich Gott zu. Der Prediger war sehr erfreut und fragte ihn im Gespräch: – Welche meiner Predigten hat Ihr Herz am meisten berührt? Der Nachbar dachte nach und antwortete: – Um ehrlich zu sein, keine. Der Prediger war verwirrt. Er hatte sich so bemüht, und doch hatte keine seiner Predigten den Nachbarn berührt. – Was hat Sie dann zu Gott geführt? – Sehen Sie, mich hat die Predigt jener alten, hinkenden schwarzen Frau sehr berührt. – Wie hat sie Ihnen gepredigt? Bitte erzählen Sie mir. – Als ich Ihr Gotteshaus besuchte, traf ich diese hinkende alte Frau, die Schwierigkeiten hatte, die Stufen am Eingang zu überwinden. Einmal half ich ihr, und sie sagte: „Mein lieber Herr, wie sorgst Du für mich! Und sagen Sie mir bitte, ist Er auch Ihr Herr?“ Sie sagte mir nichts weiter, aber ich trug diese Worte in meinem Herzen. Diese alte, kranke Frau hatte einen „lieben Herrn“, der ihr Herr war, aber ich hatte Ihn nicht. Ich hörte nur, wie andere von Ihm erzählten...
Nashi Dni Nr. 1994, 7. Oktober 2006