Einst floh ich aus einem Gefangenenlager. Vor der Flucht betete ich: "Herr, wenn Du mich in die Freiheit führst, werde ich religiös sein, immer beten und in die Kirche gehen." Gott tat dies aus Liebe zu einem Sünder. Ich hielt meine Versprechen und begann, die Kirche zu besuchen. In dem Haus, in dem ich lebte, wohnten meine Freunde eine Etage höher. Sie gingen nicht in die Kirche und glaubten überhaupt nicht an Gott. Jeden Sonntag, nachdem ich aus der Kirche kam, ging ich zu ihnen hinauf und wir tranken zusammen. Sie hatten nichts gegen Religion. Doch sobald ich das Licht des Evangeliums erblickte, Buße tat und mich vom Sünde abwandte, rebellierten meine Freunde sofort: "Schau mal, er tut so, als wäre er heilig... Denkt, er sei besser... Und will nicht mit uns trinken..." Einer von ihnen kam betrunken zu mir und schwenkte eine Pistole vor meinem Gesicht, schrie: "Das ist, was du für deinen Verrat verdienst! Unsere Väter glaubten so, und du hast dich verkauft..." Ich schwieg geduldig und sanftmütig. Später gestand dieser "Freund": "Weißt du, vergib mir... Ich habe deine Religion geprüft. Es stellt sich heraus, dass sie richtig ist. Ihnen, Freund, wie auch mir, braucht es nicht Religion, sondern Christus. Nichts anderes wird helfen, und niemand sonst wird uns retten."
N. Vodnevsky, in: Nashi Dni Nr. 1960, 28. Januar 2006