Kazimir M. Bafo war sein wahrer Name. Die bösen kleinen Kameraden nannten Kazimir „der Schmutzige“ wegen der Verbände an seinen Beinen. Sie dachten, unter den Verbänden verberge sich Schorf!
Dabei ist Kazimir der beste Schüler in der Klasse und benimmt sich vorbildlich! Allein das hätte ihm allgemeinen Respekt einbringen können. Ja... aber Kazimir ist ein Neger. Er ist schwarz wie ein Stiefel und zudem hässlich... So hässlich, dass er, scheint es, seit seiner Geburt jede Unmittelbarkeit und Lebensfreude verloren hat. Und mit elf Jahren hat sich dieser Zwerg, nachdem er Schimpfworte gehört hatte, endgültig in sich zurückgezogen.
Selten kommt Kazimir aus seiner Erstarrung heraus, wenn er sich im Spiel verliert. Seine einzige Freude ist es, die schönen Geschichten zu erleben, die er aus Büchern gelesen hat, und Jahr für Jahr der Beste in der Klasse zu sein. Die anderen Schüler hassen ihn dafür. Aber er ist stark; man kann ihm nicht beikommen, versuch ihn mal einzuschüchtern!.. Die Jungen haben alles Mögliche versucht, um ihn zu blamieren, ihm den Respekt der Lehrer zu nehmen und sein Dasein noch bitterer zu machen!...
Und so bemerkten die Neider, dass M. Bafo nur zwei alte Jacken hatte, die schon lange an den Nähten auf seinen täglich breiter werdenden Schultern platzten. Er trägt sie abwechselnd und wechselt sogar seine Unterhosen nicht so oft, wie es sein sollte. Und die Schuhe erst!..
Einst waren sie aus schwarzem Leder gefertigt, aber sie sind längst zu etwas Rätselhaftem geworden, aus unverständlichem Material. Wer kann sagen, wie alt sie sind? Wer kann garantieren, dass niemand sie vor Kazimir getragen hat? Aber ach! Trotz Kazimirs rührender Fürsorge sind sie doch alt geworden!..
Anfangs ließ Kazimirs Mutter sie beim Schuster reparieren, dann, als sie völlig abgetragen waren, kümmerte sich Kazimir selbst um sie. Deshalb haben sie bis heute überlebt. Als Kazimir es leid war, die zerrissenen Schnürsenkel zu binden, kam er auf die Idee, die Schuhe mit einem Elektrokabel zu schnüren. Das hielt gut, nur die Ösen rissen eine nach der anderen ab. Die Sohle besteht jetzt nicht mehr so sehr aus vom Alter zerfressenem Leder, sondern aus den sie zusammenhaltenden Nägeln, die wie ein Hundemaul hervorragen und beim Gehen schmerzhaft die Füße verletzen. Kazimir muss sich behelfen, indem er Blätter und Papier unter die Füße legt.
Letztes Jahr sagte Theodamiza, seine Mutter: – Wenn wir die Ernte einbringen, kaufe ich Kazime neue Schuhe. Unbedingt!
Einmal fragte sie den Schuldirektor, der ihr riet, darauf zu achten, dass Kazimir den Unterricht nicht versäumt: – Glauben Sie, er wird das Abschlusszeugnis bekommen, Herr Direktor?
Und dieser antwortete überzeugt: – Vielleicht sogar mehr!
Jeder weiß, dass Kazimir mittags nicht nach Hause geht, weil er zu weit weg wohnt. So weit, dass er vor Tagesanbruch aufsteht, das Schwein füttert und Holz hackt, bevor er zur Schule geht. Und wenn er abends zurückkommt, schafft er es gerade noch, Wasser zu holen und dem Ferkel Futter zu kochen. So weit, dass er es vorzieht, seine Hausaufgaben am Straßenrand der breiten unbefestigten Straße zu machen.
Wenn es nicht regnet, frühstückt Kazimir im Wald hinter dem Dorf. Woraus besteht sein Frühstück? Aus weißem, lockerem Maniokmehl, einem kleinen Stück rohem Kabeljau und einer reifen Banane. Was braucht der Mensch mehr? In der Fruchtsaison ist es für ihn ein Leichtes, mit einem Stein eine Mango oder eine Pflaume herunterzuschlagen und seine Mahlzeit nicht schlechter zu beenden als irgendein „Präsident“. Kazuimr hat außerdem ein geflochtenes Körbchen, in dem in Stroh duftende Früchte reifen. Kazimir ruht sich nach dem Mittagessen aus, indem er auf einen Ast des ausladenden Mangobaums klettert. Dort atmet er nach Herzenslust, schaukelt sich vergnügt, träumt, bis die Glocke läutet. Denn trotz der plattgedrückten Nase und der geschwollenen violetten Lippen ist Kazimir empfänglich für die sanfte Brise, genießt die Frische der Luft, das Blau des Himmels... Und wenn es regnet, dann bleibt
Nashi Dni #1750, 24 November 2001