Denken Sie über die Weisheit in den Worten des Propheten Jeremia nach: "Ich weiß, Herr, dass der Weg des Menschen nicht in seiner Macht liegt, dass es nicht in der Macht des Gehenden liegt, seine Schritte zu lenken" (Jeremia 10:23). Im Leben ist es oft so: Man macht Pläne, denkt an die Zukunft, entscheidet sich, und dann zerplatzt alles wie eine Seifenblase. Das Sprichwort ist wahr: "Lebe nicht, wie du willst, sondern wie Gott es befiehlt." Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wollte ich, wie viele andere, schnell aus Europa ausreisen. Ich meldete mich für die Ausreise nach Brasilien an, durchlief alle Kommissionen, der Konsul unterschrieb die Papiere, aber drei Tage vor der Abreise passierte ein Unglück: Ich wurde plötzlich nachts krank. Nicht weit von meiner Wohnung lebte in einer prächtigen Villa der bekannte Münchener Chirurg Bachmann. Magenschmerzen quälten mich, und meiner Frau blieb nichts anderes übrig, als den Arzt zu holen. Dr. Bachmann kam nach wenigen Minuten. Welche Edelmut und Selbstlosigkeit! "Blinddarmentzündung", sagte der Arzt nach einer kurzen Untersuchung. "Ein Anfall. Eine Operation ist notwendig." "Eine Operation? Aber ich muss nach Brasilien reisen. Ich bin für den Transport vorgesehen..." "Das ist Ihre Entscheidung", bemerkte der Arzt. "Ich sage nur, wie es ist: Wenn der Anfall auf dem Schiff wiederkommt, riskieren Sie Ihr Leben." Ich musste den Rat des Arztes annehmen. Eine halbe Stunde später war ich bereits im Krankenhaus. Um 8 Uhr morgens wurde ich operiert. Der Traum, nach Brasilien auszuwandern, erfüllte sich nicht. Ein Jahr später fand ich mich in Amerika wieder. Gott hatte in Seinem Plan vorgesehen, mich nach Kalifornien zu führen, mir eine Arbeit in einer Fabrik zu geben, deren Fundament damals gerade gelegt wurde. So ist es im Leben! Eine Krankheit scheint ein Unglück zu sein, aber auch sie dient zum Guten, wenn wir alles aus Gottes Hand annehmen.
Nashi Dni Nr. 1762, 16. Februar 2002