Der Historiker und Kunstkritiker Robert Hughes erzählt von einem Sträfling, der zu lebenslanger Haft auf einer Hochsicherheitsinsel vor der Küste Australiens verurteilt wurde. Eines Tages griff er ohne Provokation einen Mitgefangenen an und prügelte ihn bewusstlos. Die Behörden brachten den Mörder zurück aufs Festland, um ihn vor Gericht zu stellen, wo er eine einfache, leidenschaftslose Schilderung des Verbrechens abgab. Er zeigte keine Reue und bestritt, einen Groll gegen das Opfer gehegt zu haben. 'Warum dann?', fragte der verblüffte Richter. 'Was war Ihr Motiv?' Der Gefangene antwortete, dass er das Leben auf der Insel, einem berüchtigt brutalen Ort, satt hatte und keinen Grund sah, weiterzuleben. 'Ja, ja, ich verstehe das alles', sagte der Richter. 'Ich kann sehen, warum Sie sich im Ozean ertränken könnten. Aber Mord? Warum Mord?' 'Nun, ich sehe es so', sagte der Gefangene. 'Ich bin Katholik. Wenn ich Selbstmord begehe, gehe ich direkt in die Hölle. Aber wenn ich einen Mord begehe, kann ich hier nach Sydney zurückkehren und vor meiner Hinrichtung einem Priester beichten. Auf diese Weise wird Gott mir vergeben.'
Phillip Yancey, What’s So Amazing About Grace, Zondervan, 1977, S. 177