Der junge Peter träumte davon, Arzt zu werden, und sein Fleiß trug Früchte. Er absolvierte die Schule mit Auszeichnung. Doch sein Vater ließ ihn nicht studieren, sondern zwang ihn, zu Hause zu arbeiten. Mit 23 Jahren hatte Peter genug davon, packte seine Sachen und verließ tief enttäuscht das Elternhaus. Von da an entlud sich sein Zorn an allen, sodass er mit niemandem auskam. Einsamkeit und Isolation verschlimmerten Peters Zustand nur. Er heiratete eine gute Frau, doch sie hielt den endlosen Wutausbrüchen und Flüchen des Mannes nicht stand. Und das Alter fand Peter in völliger Verzweiflung vor, alles nur, weil er seinem Vater seine Kränkung nicht vergeben konnte. Das war ohne Gottes Hilfe unmöglich. Natürlich handelte auch der Vater hart, indem er seine Schuld nicht einsah, aber auch das entlastete Peter nicht, da er sich mehr selbst verwundete als den Vater. So ist die Natur des Unverzeihens. Es ist wie ein glühendes Kohlenstück: Je länger und fester man es hält, desto tiefer ist die Verbrennung. Wir sind gekränkt, wenn wir beleidigt oder ungerecht beschuldigt werden. Das kann in jedem Alter geschehen. Kränkungen aus der Kindheit, besonders von geliebten Menschen, bleiben oft ein Leben lang bestehen. Der Geist des Unverzeihens entsteht nicht sofort. Zuerst tauchen viele vorwurfvolle Gedanken auf, dann viele negative Gefühle, und hier beginnt die Bitterkeit des Unverzeihens. Seien wir wachsam; um den Zerstörungsprozess schon am Anfang zu stoppen, wollen wir vergeben. Zuerst führt uns die Beleidigung in einen Schockzustand. Wir suchen Rechtfertigungen und möchten Gesprächen aus dem Weg gehen. Es fällt uns schwer, unsere Kränkung zu verbergen, denn der Grund ist, dass man uns missachtet hat; aus uns spricht das Gefühl der Kränkung. Wir begraben alte Kränkungen, verscharren sie tief. Doch solange wir dem Beleidiger nicht vergeben, werden wir nicht frei. Das Verbergen alter Kränkungen verschlimmert die Lage. Traurig ist, dass viele Menschen mit Unverzeihung belastet sind. Beleidigungen und unvergebene Kränkungen haben ihren negativen Einfluss auf das Leben von Christen. Jähzorn, üble Nachrede, Zorn, übermäßige Empfindlichkeit sind das Ergebnis davon, dass wir das Unsere suchen. Man kann den Wohnort wechseln, die Arbeit, Freunde, seine Hobbys ändern, Bibelverse lernen, lange beten, fasten, doch solange im Herzen keine Vergebung ist, sind alle Bemühungen vergeblich. Bei Gesprächen mit miteinander verfeindeten Ehepaaren erzählt die Frau von der Grausamkeit des Mannes, seinen Schreien, davon, wie er die Kinder schlägt. Er hört das und weint aus Scham sogar, wobei er verspricht, sein Verhalten zu ändern. Doch nach kurzer Zeit wiederholt sich alles. Warum? Die Reue war ohne Frucht. Die Wurzeln – Neid, Hass, Bosheit – wurden nicht beseitigt. Aus Misstrauen und Verdacht entsteht Niedergeschlagenheit. Unverzeihung zerstört den Respekt, und die Familie erleidet Schaden. Verzweiflung vernichtet die letzte Hoffnung. Und nur bei aufrichtiger Reue wird alles wiederhergestellt. Bei vollem Verständnis der eigenen Verantwortung hören wir auf zu beschuldigen, zu verdächtigen, zu schmähen; bei Liebe und Vergebung werden wir wiederhergestellt, denn wir haben uns dem Herrn hingegeben. „Jetzt aber seid ihr in Christus Jesus, die ihr einst ferne wart, nahe geworden durch das Blut Christi.“ (Eph. 2:13) Kränkung entsteht durch unverdiente Beleidigung, Erniedrigung, Zurückweisung, Beschuldigung, Verachtung... Kränkung ist ein beleidigtes Stolzgefühl, das schwer oder gar nicht vergibt. Kränkung wirkt auf Ehrgeizige, Hochmütige, auf nicht gefestigte Seelen, auf Schuldige. Kränkung ist ein Produkt der Sünde. Deshalb muss man, um mit der Kränkung fertigzuwerden, sich von der Sünde befreien, indem man auf den Herrn blickt und die eigenen Mängel sucht, nicht die der anderen. Der Herr segne uns darin, auf den wir immer hoffen! David Peters
David Peters, in: Nashi Dni