In einer Zeitung sah ich ein Foto: ein Welpe und ein Kätzchen tranken zusammen aus einer Schüssel. Daneben ein weiteres Foto: satt schliefen sie friedlich auf einem Teppich, aneinander gekuschelt. Wie schade, dass Menschen, besonders wir Emigranten, noch nicht gelernt haben, in Liebe und Freundschaft zu leben! Das Wort 'Liebe' wird oft von Kanzeln und Podien ausgesprochen, und doch wird es im Leben am meisten vernachlässigt. Billy Graham betonte oft, dass Amerika nicht an Hunger sterben wird, sondern an einem Mangel an Liebe. Und Liebe, in erster Linie, zu Gott. Wir sind größtenteils alle Gläubige, alle Christen. Aber man kann glauben und nicht lieben. Solch ein Glaube nützt nichts. Liebe ist die Krone aller Tugenden. Deshalb fragte der auferstandene Christus, als er die Jünger am Ufer des Sees Genezareth traf, Petrus nicht: Glaubst du an mich? Christus fragte: 'Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?' Christus wusste, dass Glauben das eine ist, Lieben das andere. Das erste und wichtigste Gebot lautet: Liebe Gott und deinen Nächsten. Das ist alles. Wer den Menschen nicht liebt, kann Gott nicht lieben. Solch ein 'Christentum' führt die Welt ins Verderben. Der Hauptunterschied des wahren Christentums zu anderen Religionen ist, dass es Liebe ausstrahlt. Wo das nicht ist, da ist auch kein Christentum. Wer mehr liebt, ist näher bei Gott, denn 'Gott ist Liebe'. Gott handelt in Liebe, selbst wenn er straft. Das Evangelium ruft die Christen zu aufrichtiger Liebe. Das geistliche Niveau wird nicht daran gemessen, wie wir Freunde lieben, sondern wie wir Feinde lieben. Freunde und Heiden können lieben. Gott sei Dank, dass die Liebe auf Erden noch nicht ganz ausgestorben ist. Lassen Sie mich von einem 'engstirnigen Sektierer' erzählen. Nennen wir ihn Sergej. Er lebte in einem Wohnheim, wie die meisten sowjetischen Arbeiter. Natürlich waren die Bedingungen nicht geeignet für persönliches Gebet. Sergej wartete, bis alle schlafen gingen. Dann betete er, um nicht verspottet zu werden. Es war Herbst. Es regnete. An einem freien Tag kam einer der Bewohner betrunken von einem Spaziergang zurück. Er setzte sich aufs Bett, begann die Stiefel auszuziehen und bemerkte erst dann, dass der 'Sektierer' am Bett im Gebet kniete. 'Schau dir das an, was für ein Heuchler! Tut so heilig...', murmelte der Betrunkene und warf ihm nacheinander seine schmutzigen Stiefel zu, bevor er einschlief. Am Morgen, als er sich an den Abend erinnerte, war er überrascht, als er seine glänzend sauberen Stiefel neben dem Bett sah. Er verstand alles. Er ging mit gesenktem Kopf umher. Sein Herz schmerzte. Schließlich traf er den 'Sektierer' und sagte zu ihm: 'Warum hast du das getan?' und zeigte auf die Stiefel. 'Es wäre besser gewesen, du hättest mich geschlagen. Es wäre mir leichter gefallen.' 'Ich habe so gehandelt, wie es Christus, mein Lehrer, getan hätte. Er sagte: „Liebt eure Feinde.“' Diese Antwort ergriff den Betrunkenen. Er begann das Evangelium zu lesen und kam bald zu Gott, wurde Christ. Das ist keine Erfindung. Das ist eine Tatsache. Nur Christen, die in Liebe leuchten, können Ungläubigen den Weg zu Christus weisen. Vor etwa zehn Jahren bezeugte dies sogar die 'Komsomolskaja Prawda'. Die Komsomolzin Nina Chistyakova aus der Stadt Jelez wurde von einer gläubigen Frau, A. M. Goltyaeva ('Tante Nastja'), aufgenommen und geliebt. Sie zeigte der Komsomolzin, wie Christus lehrt, Menschen zu lieben. Das veränderte Ninas Leben grundlegend. Sie glaubte an Christus, lehnte den Klub ab, verbrannte ihren Komsomol-Ausweis und ließ sich taufen. Und solche Beispiele gibt es tausende. Hartherzige, selbstsüchtige, gleichgültige Christen leben ohne Christus. Sie können nicht nur Ungläubige nicht zu Gott ziehen, sondern vermehren im Gegenteil den Unglauben. Lesen wir das 13. Kapitel des ersten Briefes des Apostels Paulus an die Korinther und prüfen wir unsere Herzen im Lichte dessen. Wer an Liebe mangelt, soll Gott bitten. Er wird geben. Das Blut Christi fließt noch heute, wäscht die Sünde, bevor der Donner ertönt. Ohne Liebe singt kein Lied, ohne Liebe baut man kein Haus.
N. Vodnevsky, in: Nashi Dni Nr. 1875, 15. Mai 2004