Es gibt für Kinder eine Fabel: Aus allen Ecken versammelten sich die Vögel, um Nester für die Küken zu bauen. Hier waren Krähe und Taube zusammen, Spatz und Adler und Drossel – alle lernten, wie man den richtigen Platz wählte und wie man Reisig für das Nest beschaffte. Der Kuckuck hat kein Haus, sondern nur einen Haufen. Aber er hört nicht auf den Rat der Vögel. Allen, die den Kuckuck belehren wollen, schreit er zurück: „Ich weiß alles!“ Aber ein Nest zu bauen ist keine einfache Sache. Er legt weder Wände noch Boden an. Es stellte sich heraus, dass auch der Kuckuck diese Kunst lernen musste. Die Vögel bauen ihre Nester zuverlässig. Ein Raubtier oder Dieb kommt nicht an sie heran. Nur der Kuckuck trägt seitdem seine Eier zu den Nachbarn.
Und obwohl es nur eine Fabel ist, steckt darin kein kindlicher Sinn. Darin liegt eine Moral, die jedem klar ist: ein Gedanke zum Nachdenken: Der Weise hört auf alle Ratschläge und ist auf seinem Weg erfolgreich. Der Dumme „weiß“ alles auf der Welt und spuckt auf „alles und jeden“. Gespräche helfen ihm nicht. Deshalb müssen am Ende seine „Küken“ von allen Nachbarn versorgt werden.
Vera Osipova, in: Nashi Dni Nr. 1772, 27. April 2002