In einem Land, in dem Gläubige lange Zeit vielerlei Verfolgungen ausgesetzt waren, kam die Zeit, in der man furchtlos von Gott sprechen konnte.
Viele, selbst solche, die die Lehre Christi nicht ganz klar verstanden, begannen, von Ihm Zeugnis abzulegen. Unter ihnen war auch ein junger Prediger.
Eines Tages ging er an einem Haus vorbei und sah dort einen älteren Mann. Er dachte bei sich: „Vielleicht hat dieser alte Mann noch nie von Gott gehört. Warum sollte ich nicht hineingehen und ihm einige Worte über das Heil sagen?“ Er dachte es und ging hinein...
Doch es kam ganz anders.
Der Alte saß auf der Veranda, vor ihm lag ein magerer, alt aussehender, zotteliger Hund. Der Prediger näherte sich und grüßte. Der Alte erwiderte den Gruß und zeigte dann auf den Hund, als wolle er es erklären: — Ich habe ihn aufgenommen, denn ich sah, dass er heimatlos umherläuft. Mir tat der Hund leid; ich dachte, er würde ohne Nahrung sterben, oder jemand könnte ihn verstümmeln, erschlagen. — Und nach einer Pause fragte er: — Du bist doch, wie ich gehört habe, Prediger und redest von Gott? — Ja, — antwortete der Prediger und wollte schon erzählen, was er gewöhnlich sagte, aber der Alte kam ihm zuvor. — Hast du dich nicht gefragt, was später mit den Menschen geschieht, wie sich ihr Leben nach deiner Predigt entwickelt? — Meine Aufgabe ist es, zu säen, und der Herr lässt wachsen; und ich glaube, dass Er sich um jeden kümmern wird. — Auch dieser Hund hatte einmal Besitzer. Der Hund ist alt geworden, und vielleicht haben sie beschlossen, dass nun der Herr sich um ihn kümmern soll; vielleicht erinnerten sie sich sogar an die Stelle in der Schrift, wo gesagt wird, dass Gott auch dem Raben Nahrung gibt, wenn seine Jungen zu Gott schreien. Sie nahmen ihn und ließen ihn auf der Straße zurück. Haben sie richtig gehandelt? Der Prediger erinnerte sich an seinen Vater, den Jäger, an dessen zahlreiche Hunde, erinnerte sich an seine Fürsorge für sie und antwortete: — Ich denke, nein. — Dann überlege jetzt, ob du richtig handelst: Du gewöhnst einen Menschen an dich, sprichst mit ihm von Gott, und lässt ihn dann zurück; du sagst dir, dass du ohnehin schon genug Sorgen hast, und dass der Herr sich schon um ihn kümmern werde, Hauptsache, du hast in ihm den Samen gesät. — Was soll ich denn tun? Soll ich etwa gar nicht von Christus reden? — Dass du von Christus redest, ist gut. Aber dazu musst du dein Herz einsetzen. Menschen sind ja keine Ziegelsteine: wie du willst, so baust du sie nicht. Bevor du dich entschließt, vom Herrn zu sprechen, bete von Herzen, dass der Herr dir eingibt, was du dem Menschen sagen sollst, wie du ihn aufnehmen und für ihn Sorge tragen kannst: sei es in deinen Gebeten, und wenn nötig auch durch Taten. Mitunter musst du vielleicht gar nichts sagen, sondern schweigen, dem Menschen zuhören, mit ihm in seinem Leid mitfühlen. Und wenn dein Herz zu guten Taten bereit ist, wenn es empfänglich ist für das Leid des anderen, für das Leben eines anderen, wenn du die Seele des anderen ebenso hoch achtest wie deine eigene, dann wird gewiss Erfolg in deinem Werk kommen. Andernfalls wird es nur eitle Geschäftigkeit und Verderben für ohnehin schon zugrunde gerichtete Seelen sein.
Der Prediger hörte dem Alten zu, dachte nach und stimmte ihm zu. Und auch später bereitete er sich, bevor er von Christus sprach, immer im Gebet vor; manchmal hörte er den Menschen nur zu und nahm lebhaften Anteil an ihren Erlebnissen.
Die Arbeit war nicht leicht, doch die Menschen fanden in ihm einen treuen und mitfühlenden Freund, der sie zu Christus rief.
A. Tschuwjurov
A. Chuvyurov, in: Nashi Dni