Onkel Tolja Swetlichny war ein sehr interessanter, geselliger Mensch. Eine Zeit lang arbeiteten wir zusammen im „Gastgewerbe“: Wir trugen Säcke, Kisten und Kisten. In unserer Freizeit unterhielten wir uns. Er war mehrmals bei mir zu Hause und erzählte immer, wie man einen Garten pflegen sollte, gab weise Ratschläge und enthüllte die heilenden Geheimnisse vieler Kräuter. Kurz gesagt, er war ein guter Mensch, nichts zu sagen. Ich dachte auch daran, Onkel Tolja zu Hause zu besuchen und bereitete ein kleines Neues Testament vor. Es ist schade, gute Menschen zu sehen, die Gott nicht kennen. „Ich werde ihm das Evangelium schenken“, dachte ich, „lass ihn lesen, vielleicht wendet er sich dem Herrn zu...“ Es war ein guter Wunsch, aber irgendwie konnte ich ihn nicht umsetzen. Mal war es die Arbeit, mal etwas anderes... Vor kurzem kam ich zum Beladen in die Bäckerei, aber es war kein Brot da, also musste ich warten. Da sah ich eine alte Bekannte – auch sie hatte früher im „Gastgewerbe“ gearbeitet. Ich fragte, ob sie Onkel Tolja kürzlich gesehen hatte und wie es ihm ging. Sie schüttelte den Kopf und antwortete leise: „Ach, Onkel Tolja, Onkel Tolja... Er wird morgen beerdigt!“ Ich war fassungslos. Meine Bekannte fuhr fort: „Er fuhr mit seinem Moped von der Datscha und geriet unter ein Auto... Es gab Onkel Tolja – und nun nicht mehr.“ Am nächsten Tag fand ich endlich Zeit und fuhr zu Onkel Tolja. „Wenn nicht ihm, dann werde ich anderen von dem Evangelium erzählen, das ich Onkel Tolja nicht mehr schenken konnte!“ Ich hielt es in meiner Hand und ging zum Sarg. „Darf ich ein Wort sagen?“, fragte ich. „Auf dem Friedhof kannst du sprechen.“ „Aber ich habe das Wort Gottes!“ „Ah, Gottes Wort... Dann nicht.“ So kam es, dass ich nicht sprechen durfte. So ist das manchmal. Wir hetzen und sind beschäftigt. Obwohl wir manchmal Gutes wollen, werden Menschen, die Gott nicht kennen, an uns vorbei zum Friedhof getragen! Offensichtlich sind gute Absichten und Wünsche noch keine Taten. Wenn wir alles, was wir uns vorgenommen haben, Gutes und Heiliges, in die Tat umsetzen, dann werden wir inneren Frieden und Gnade von Gott erlangen. Und mögen unsere Taten, die von Herzen kommen, auch nicht alle zu Gott führen, so werden wir doch keine unerbittlichen Gewissensbisse und keine Schuld für den Verlust solcher Menschen empfinden. Denn wir haben alles getan, was wir konnten. Merken wir uns das, und auch, dass man für unvollkommene Arbeit keine Belohnung erhält.
P. Ozerkov, in: Nashi Dni