Sie erzählte von ihrem Leben und schaute mich mit so freudigen Augen an, als hätte sie eine Million gewonnen.
„Als der Chorleiter mich fragte: ‚Anna, möchtest du in unserem Chor singen?‘, dachte ich, er macht einen Scherz. Unser Chorleiter war generell humorvoll, aber sein Humor gelang ihm nicht immer. Als er mein erstauntes Gesicht sah, wiederholte er die Frage.
Von Arthritis geplagt, konnte ich kaum mit meinen Krücken auf die Plattform steigen. Alle Anwesenden hätten mich mit ihren Augen angestarrt. Außerdem war meine Stimme schwach, kaum hörbar, und konnte den Chor nicht verstärken. Doch in diesem Moment dachte ich: ‚Du schämst dich vor den Menschen. Du willst deinen Gott nicht loben... Schließlich singt man zu Seiner Ehre!‘
Und ich antwortete dem Chorleiter:
‚Ich wäre froh, im Chor zu singen, wenn Sie denken, dass ich es kann.‘
Der Chorleiter lächelte und sagte ruhig:
‚Natürlich kannst du! Ich bin sicher!‘
Am nächsten Sonntag ging ich mit großer Mühe vor dem Chor, kaum in der Lage, meine Beine mit Hilfe der Krücken zu bewegen. Die paar Dutzend Meter erschienen mir wie ein Kilometer. Und natürlich schauten alle mit unverhohlener Neugier auf mich.
Der Chor begann zu singen: ‚O großer Geist, komm!..‘ Als ich in den Gesang des Chores einstimmte, begann der Heilige Geist, mein ganzes Wesen mit unbeschreiblicher Freude zu erfüllen. Ich vergaß meine Gebrechlichkeit und sang, indem ich mich an die Worte des Apostels Paulus erinnerte: ‚Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.‘
Mit jeder Minute fühlte ich einen Zustrom körperlicher Kraft. Als der letzte Akkord der Orgel verklang, erkannte ich, dass ich die Krücken nicht mehr brauchte.
Sie blieben bis heute auf der Plattform.
N. Vodnevski, in: Nashi Dni Nr. 1818, 29. März 2003