Wenn jemand behaupte, dass ein Haus von selbst entstanden sei, zufällig, würde er sich dem Spott aussetzen. Wir sehen in jedem Gebäude eine planende, nach allen Gesetzen der Baukunst gestaltende, schöpferische Hand des Baumeisters. Viele Touristen reisen nach Venedig, um das architektonische Meisterwerk – das berühmte und gefeierte „Goldene Haus“ – zu bewundern und zu fotografieren. In all seinen Säulen und Bogengängen spürt man Harmonie und außergewöhnliche Leichtigkeit. Solch eine Gestaltung erfordert höchste Meisterschaft. Und niemand kommt auf die Idee, zu denken, dass dieser Palast zufällig entstanden sei. Das zu fordern, klänge absurd, denn die „in Stein gegossene Poesie der Kolonnaden und Marmorbögen“ zeugt von der vollkommenen Kunst des Architekten. Trotz der Leichtigkeit der Konstruktion zerfällt der Palast nicht, obwohl er auf Pfählen in den Lagunenwassern steht. Ein geschickter Baumeister war der Meister seines Fachs. Und wenn menschliche Werke ihren Meister preisen und seine Fähigkeiten und Fertigkeiten zeigen, desto mehr preist die ganze Schöpfung ihren Schöpfer, Der alles aus einer übermenschlichen Ordnung geschaffen und ihm Bewegung gegeben hat. Leonardo da Vinci sagte einmal: „Gott ist der Motor aller Bewegung.“ In diesen Worten klingt tiefe Ehrfurcht und Dankbarkeit des Genies, das seine Nichtigkeit vor dem Großen Meister erkennt. In der Erzählung von der Erschaffung der Welt lesen wir: „Und Gott sah alles, was Er gemacht hat, und siehe, es war sehr gut.“ (1 Mose 1,31) In seinem Hochmut glauben die Menschen, dass sie alle Gesetzmäßigkeiten und Naturgesetze erfasst haben, die letzten Geheimnisse von Gottes Werkstatt entdeckt und sie nach Belieben nutzen können. Doch sie sind, trotz all ihrer Errungenschaften, nicht imstande zu sagen: Siehe, es ist gut. Der technische Fortschritt vermehrt die Angst in der Welt. Der Mensch, in seinem stolzen Hochmut, steht deutlich nicht unter dem Segen des Schöpfers, Der in Seiner Langmut weiterhin zulässt, dass die Menschheit die „Menschengötter“ erschafft. Die größten Geister unserer Zeit waren demütig genug zuzugeben, dass je tiefer wir in die Kräfte der Natur eindringen, desto klarer wird, dass Es Einen gibt, Der alle Gesetze erschaffen hat und weise miteinander verflochten hat. Und wie hochmütig und provozierend klingt die Proklamation vom achten Tag der Schöpfung, der angeblich vom Menschen geschaffen wurde. „Und Gott sah alles, was Er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ Nicht Gott ist schuld daran, dass dem Guten, das der Menschheit gegeben wurde, Übles und Unglück folgt. Und nur die Rückkehr zu Gott, das Eingeständnis der eigenen Unzulänglichkeit vor Ihm, kann der Menschheit die verlorene Unschuld und die unvergleichliche Schönheit des Seins zurückgeben.
Nashi Dni