B. Moiseev: Fürsorge – das ist auch Liebe, davon möchte ich berichten. Das beobachtete ich schon vor langer Zeit in der kardiologischen Abteilung eines Krankenhauses in Baranowitschi, Belarus. Dieser Mann hat sein ganzes Leben lang in einer Fabrik in der Stadt Minsk gearbeitet. Die Arbeitsbedingungen waren sowohl schädlich als auch sehr hart. Er hatte auch eine Frau, die ständig unzufrieden mit seinem Gehalt war. Oft veranstaltete sie Skandale und, wie man im Volksmund sagt, nagelte sie ihn ständig fest. Der Mann, von Natur ein ruhiger Mensch, war bestrebt, Streitereien zu vermeiden und der Frau zu gefallen, blieb daher oft zu Überstunden und arbeitete sogar an Wochenenden. Selbstverständlich hielt sein Herz dem ständigen nervlichen Stress, den Vorwürfen der Frau und der schweren Arbeit unter schädlichen Bedingungen nicht stand. Und eines Tages brachte ihn der Krankenwagen ins Krankenhaus, wo eine längere Behandlung mit anschließender Feststellung einer Invalidität bevorstand. Als die Frau erfuhr, dass vom Mann nichts mehr zu holen war, d. h. er nicht mehr so viel verdienen würde wie früher, tauschte sie eilends die Wohnung und verschwand in eine unbekannte Richtung. Können Sie sich den Zustand eines kranken Menschen vorstellen, der im Krankenhaus liegt und dem alles genommen wurde? Und wenn er das Krankenhaus verlässt, würde er schlichtweg auf der Straße landen. Ich erinnere mich nicht mehr genau, wie ich von seinen Umständen erfahren habe, doch diese gute, einsame Frau, die 150 Kilometer von Minsk entfernt wohnte, nahm ihn zu sich und zeigte ihm eine solche Fürsorge und eine solche Aufmerksamkeit, wie er sie sein ganzes Leben lang nicht hatte. Ich weiß nicht, wie diese Geschichte endete. Nur bin ich überzeugt, dass das gute Werk dieser älteren Frau im Himmel gewürdigt wird, denn Christus sagte: „… war ich krank, und ihr habt mich besucht.“ Und er wird zu den Gerechten sagen: „Kommt, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch vorbereitet ist von der Grundlegung der Welt.“ (Mt 25, 34-36) Mihail Romanowitsch
UNSERE WAHL
Unserer Gesellschaft ist endlich erwacht und entsetzt darüber, was sie in den letzten zwei Jahrzehnten angerichtet hat. Wir beginnen zu ernten, was wir gesät haben. Der Albtraum des Massentötens in Clarksville (Tennessee), begangen im Taco Bell-Restaurant, die erschreckenden Details der Ermordung eines achtjährigen Mädchens in Memphis; die unbeschreibliche Brutalität der Ermordung der Eltern durch die Brüder Menéndez in Kalifornien; die Entführung, Vergewaltigung und Ermordung der neunjährigen Polly Klaas an der Westküste des Landes; die Ermordung von Nicole Simpson und Ronald Goldman; die Entführung aus einem Kindertheater in Nashville von drei Kindern, ihre Vergewaltigung und Ermordung (die Leichen von zwei wurden gefunden und bereits identifiziert); die Meldung, dass ein Mitglied eines satanistischen Kultes die Eltern als Opfer dem Teufel gebracht habe, und so weiter. Kinder töten ihre Eltern, Schüler schießen auf Lehrer... Was wird uns noch erwarten? Wir weigern uns, die Schuld für diese Verbrechen den Tätern zuzuschreiben, und wir wollen keine Verantwortung für irgendetwas in unserer Gesellschaft übernehmen. Wir schreiben die Schuld nicht den Verbrechern zu, sondern den Opfern. Doch außer uns selbst haben wir niemanden, den wir dafür verantwortlich machen könnten, in welche Richtung unsere Gesellschaft sich in den letzten Jahren bewegt hat. Uns fehlt die Willenskraft, den Fernseher auszuschalten, wenn er Verkommenheit und Gewalt zeigt; uns fehlt der Mut, die schlimmsten Feinde unserer Gesellschaft – die skrupellosen Entführer und Mörder unserer Kinder – im Gefängnis verrotten zu lassen oder sie zu hingerichten. Wir wagen es nicht, Lehrern zu trauen, Jugendliche disziplinieren zu lassen, und wir bestehen darauf, dass unsere Vertreter in der Regierung ein Vorbild makelloser Moral sind. Verbrecher müssen für ihre Taten Rechenschaft tragen, unabhängig davon, in welchem Umfeld sie aufgewachsen sind: Ob sie Waisen waren, ob sie aus geschiedenen Familien stammen oder Kinder von Trinkern sind. Ihnen allen ist eine Wahl gegeben worden, doch wenn wir nicht schon bei einer so kleinen Sache wie der Fernbedienung des Fernsehers die richtige Wahl treffen können, dann sind wir als Gesellschaft dem Untergang geweiht. Ja, wir sind aus unserem Albtraum erwacht und haben gesehen, was wir angerichtet haben; aber sind wir bereit, entschieden für die Besserung der entstandenen Lage einzutreten? Auch uns wird in diesem Zusammenhang eine Wahl gegeben. Wir haben unseren Feind getroffen und erkannt, dass es WIR selbst sind!
ÜBER DIE ZUKUNFT
Uns alle beunruhigt die Frage nach der Zukunft. Die Zukunft beschäftigt die Menschen mit Angst, doch so dachte der Apostel Paulus nicht. Er vergleicht die Zukunft mit einem erwachenden Morgen und das Leben der Menschheit mit einem heraufziehenden Tag. Woher kommt der Optimismus des Apostels Paulus? Hat er nicht gesehen, wie sich über die Welt Dunkelheit zusammenzieht? Die Antwort liegt im Licht, das Christus ihm offenbarte. Das Licht Christi muss die ganze Welt erleuchten. Der Apostel Paulus ruft uns zu einer Tat auf: „Die Nacht ist vergangen, der Tag ist da; so lasst uns die Werke der Nacht ablegen und uns bekleiden mit den Waffen des Lichts.“ (Röm. 13, 12) Sich mit der Waffe der Wahrheit zu bekleiden bedeutet, sich in Liebe und Wahrheit zu kleiden. Vor uns liegt der strahlende Tag Christi.
Mikhail Romanovich, in: Nashi Dni