Die Osterwoche war vergangen, eine Woche des traurigen und freudigen Gedenkens an unseren Erlöser, den Herrn Jesus Christus. "Christus ist auferstanden!" begrüßten wir einander mit leuchtenden Augen und hörten die sichere Antwort: "Er ist wahrhaftig auferstanden!" Früh am Morgen, als in unserem Hof noch niemand zu sehen war, ging ich hinaus, um vor der Arbeit frische Luft zu schnappen und ein wenig zu spazieren. Es war still, nur die Eichhörnchen raschelten in den Zweigen der hohen Kiefern. "Guten Morgen, Vater!" sagte ich, meinen Blick zum Himmel erhoben, als ich mein inspiriertes Grußwort an den himmlischen Vater richtete und plötzlich von einer nie zuvor gesehenen Schönheit des Himmels verzaubert wurde: ein Sonnenaufgang, der ganze Himmel in blau-rosa Brokat gehüllt; von azurblauen, wie ausgestanzten Inseln breitet sich rosa Fransen mit Schattierungen von Orange und hellem Flieder aus. Unbeschreiblich schön! Diese wunderbare Vision dauerte nicht länger als 1-2 Minuten. Mein Herz füllte sich mit hoher, zarter Dankbarkeit gegenüber meinem Vater. "Danke, Papa! Ich danke Dir für Deine Berührung meiner Seele, für Deine unvergleichliche Schönheit. Schönheit von Dir! Gesegnet in Ewigkeit, Ehre sei Dir!" flüsterten meine Lippen im Gebet. Als ich den Weg entlangging, schaute ich erneut zum Himmel: nun war er ganz von einer grauen, einheitlichen Decke bedeckt. Ich seufzte. Aber... Hinter dieser unscheinbaren Grauheit verbarg sich eine unbeschreibliche Schönheit. Ich wusste es und ging mit einem Gefühl seliger Freude in meinen neuen Arbeitstag. Auf Erden im Namen des Herrn zu leben ist so wunderbar! In dem Bewusstsein, dass der ewige Schöpfer von allem Sichtbaren und Unsichtbaren dich kennt und liebt, ruht und triumphiert eine herrliche, unbegreifliche Hoffnung. Eine Hoffnung, die eines Tages ihre übernatürliche Vollendung finden wird – die Begegnung von Angesicht zu Angesicht mit dem geliebten Herrn Jesus. Ich denke an die "alle Erkenntnis übersteigende Liebe Christi", an die Tiefe der Liebe Gottes, und mein Herz wird gerührt und ehrfürchtig vor Ihm. Ich trage meine inneren Gefühle in der Schatzkammer meines Wesens. Im ständigen Beisein des heiligen Sohnes Gottes bete ich, dass mein Herz immer ein "Brautgemach" bleibt, in dem es meinem Jesus freudig und angenehm ist zu verweilen. Der heilige Gott zieht es vor, in heiliger Reinheit zu leben. Mein Herz, wie bist du heute? Ist es meinem Geliebten wohl in dir? Und ich singe das Lied des Glücks! Was kann höher sein als die höchste Freude: Jesus und du seid eins! Und wieder erhebt das Gebet herzlicher Dankbarkeit meinen Blick zum Himmel und meine Lippen flüstern: "Komm, Herr! Meine Seele sehnt sich nach Dir, geliebter Bräutigam, einziger! ...Als die Fülle der Zeit gekommen war, um den Erlöser der Welt zu bringen, verkündete Johannes der Täufer: "Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Pfade gerade!" Und Johannes predigte in der Wüste Judäas über das baldige Erscheinen des Lammes Gottes und taufte Menschen, die ihre Sünden bekannten. Heute sprechen wir vom baldigen Kommen des Erlösers, des Bräutigams für seine Braut – die Kirche: "Bald kommt er! Er zögert nicht! Er steht vor der Tür! Seine Schritte sind zu hören!.." Aber was steckt hinter diesen Worten? Denken wir darüber nach? Wer kommt? – Der Richter der ganzen Erde, der sein Gericht ohne Ansehen der Person vollzieht! Wer steht vor der Tür? – Der Herrscher der Welten, Gott – ein verzehrendes Feuer! Wessen Schritte sind zu hören? – Dessen, dessen "Füße wie im Ofen glühendes Erz sind!" Vor diesen Füßen flieht jede Ungerechtigkeit und jede Unreinheit verbrennt! Möchtest du einem solchen Gott begegnen? Vor ihm stehen und freudig auf ihn zugehen? Vor seinem feurigen Antlitz niederknien und seine Hand auf deinem Kopf spüren? Wenn du in heiliger Kühnheit mit "Ja!" antwortest, hast du den Weg des Herrn bereitet! Du bist gesegnet! Aber wenn du nicht so antworten kannst und mehr noch, dein Herz zittert vor Angst und verurteilt dich, zögere nicht, erhebe deinen Blick zum Himmel. Das Ohr des Allmächtigen wird deinen Seufzer der Reue hören, und die Hand des Allmächtigen wird all deine Unreinheit in die Tiefe des Meeres werfen. Ach, wie gut ist es, wieder vollen Frieden und Einheit mit dem Vater und seinem Sohn zu spüren! Jesus sehnt sich nach der Begegnung mit seiner Taube! Er möchte seine Geliebte an seine göttliche Brust drücken! Das Heilige strebt zum Heiligen! "Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Pfade gerade!"
Anna Luks, in: Nashi Dni