Einst, an einem dunklen Herbstabend, fuhr ich auf einem düsteren sibirischen Fluss. Plötzlich, an einer Flussbiegung, unter den dunklen Bergen, blitzte ein Licht auf. Es leuchtete hell und stark, ganz nah... „Nun, Gott sei Dank!“, sagte ich freudig. „Das Dorf ist nah, die Unterkunft auch!“ Der Ruderer, ein Sibirier, drehte sich über die Schulter nach dem Licht um und legte dann wieder apathisch das Ruder an. „Weit weg!“ Ich konnte es nicht glauben: Das Licht schien so nah aus der undurchdringlichen Dunkelheit hervorzutreten. Doch der Ruderer hatte recht: Es war tatsächlich weit entfernt. Diese nächtlichen Lichter haben die Eigenschaft, sich zu nähern, die Dunkelheit zu überwinden, zu funkeln und mit ihrer Nähe zu locken. Es scheint, als ob noch zwei oder drei Ruderschläge nötig wären, und der Weg wäre zu Ende... Doch es ist weit! Und lange fuhren wir noch auf dem düsteren und tintenschwarzen Fluss. Schluchten und Felsen tauchten auf, näherten sich und verschwanden, blieben hinter uns und verloren sich scheinbar in unendlicher Ferne, während das Licht immer noch vor uns stand, funkelnd und lockend, immer noch nah und doch so fern. Oft erinnere ich mich jetzt an den dunklen Fluss, beschattet von felsigen Bergen, und an dieses lebendige Licht. Viele Lichter haben mich früher und später mit ihrer Nähe gelockt. Doch... das Leben fließt immer noch zwischen den gleichen düsteren Ufern, und die Lichter sind noch weit entfernt. Und wieder muss man die Ruder anlegen. Aber dennoch... Dennoch sind die Lichter voraus!
V. Korolenko, in: Nashi Dni Nr. 1955, 24. Dezember 2005