Mit der Londoner „Glocke des armen Sünders“, die traditionell die Hinrichtung eines Verbrechers ankündigte, ist eine interessante Geschichte aus dem Leben des englischen Staatsmannes Oliver Cromwell verbunden. Wegen staatlicher Unruhen verurteilte er einen Mann zum Tode und ordnete an: „Wenn heute um sechs Uhr abends die Glocke auf dem Dom läutet, soll dem Verurteilten der Kopf abgeschlagen werden.“ Auf dem Domplatz versammelte sich eine riesige Menge Neugieriger. Jeder wollte Zeuge dieses Schauspiels werden. Alle warteten darauf, dass die Glocke läutete, aber sie blieb stumm. Da schickte man nach dem Küster, um den Grund zu erfahren, doch er zog, wie gewöhnlich, an den Seilen, aber es war kein Ton zu hören. Als man dann auf den Glockenturm hinaufstieg, um die Glocke zu untersuchen, bot sich ihnen ein schrecklicher Anblick. An der Zunge der Glocke hing eine blutüberströmte Frau! Bei jedem Zug an den Seilen wurde sie hin und her geschleudert und gegen die Wände der Glocke geschlagen. Als die Glocke schließlich anhielt, fiel die Frau bewusstlos zu Boden. Es war die Ehefrau des Verurteilten. Als Cromwell davon erfuhr, war er sehr bewegt und befahl, den Verurteilten freizulassen.
Nashi Dni, 3. März 2007, S. 5