Jemand kaufte sich eine schöne Datscha, zog mit seiner Familie ein und wollte hier ein irdisches Paradies schaffen. Doch abends, als sie schlafen gingen, wurden sie von einem Raben beunruhigt, der auf das Dach flog und mit seinem Krächzen das ganze Haus aufschreckte. Der unheilvolle Vogel kam jeden Abend und machte das Leben im Haus unerträglich. Die Familie musste wieder umziehen. In ihrer neuen wunderbaren Datscha hofften sie sich auszuruhen, aber leider saß, sobald es dunkel wurde, der Rabe wieder auf dem Dach und zerrte mit seinem Krächzen an der Seele...
Uns Menschen ist es schwer, zufrieden zu sein. Wir glauben, dass die Umstände, in denen wir leben, ungünstiger sind als bei anderen. Es scheint uns unmöglich, mit dem zufrieden zu sein, wo und wie wir leben. Wir suchen nach etwas Besserem, als gäbe es irgendwo einen idealen Ort speziell für uns: Dort hätten wir gute Laune, seelisches Gleichgewicht, und selbst die Luft wäre wie Balsam.
König David erlebte wohl etwas Ähnliches. „Wer gäbe mir Flügel wie eine Taube? Ich würde davonfliegen und zur Ruhe kommen. Weit würde ich mich entfernen und in der Wüste bleiben. Ich würde eilig Schutz suchen vor dem Sturm, vor dem Unwetter“, schreibt er (Psalm 54:7-8).
Es gibt ein Paradies, wo die Seele Ruhe findet, aber es ist weit entfernt von der Erde und ihrem Lärm. Die Entfernung dorthin kann weder in Meilen noch in Werst gemessen werden. Egal wie viel wir auf der Erde umherwandern und umziehen, die „Raben“ der Unzufriedenheit und Unzufriedenheit werden uns folgen.
Viele denken, dass nach einer bestimmten Anzahl von Jahren das Leben leichter wird. Andere glauben, dass diese Unzufriedenheit in den sozialen Umständen liegt, in denen sie leben. Das ist nicht so.
Das größte Hindernis für den Seelenfrieden liegt immer in uns selbst. Es gibt ein Sprichwort: „Dort ist es gut, wo wir nicht sind“, d. h. wir selbst sind das Hindernis für unser seelisches Gleichgewicht, und deshalb kann durch die Veränderung äußerer Umstände weder Frieden noch Ruhe erreicht werden.
Der Weg zum Paradies führt aus dem Bereich des Fleisches in den Bereich des Geistes. Dieser Weg führt über Golgatha. Das Paradies für das Herz ist Jesus Christus. An seiner Brust ist Ruhe mitten in allen irdischen Stürmen. Wir müssen für unsere selbstsüchtige Natur sterben, mit Christus leben, ein verborgenes Leben in Gott. Wenn wir an den Quellen der Gnade sitzen, uns von ihr nähren, dann werden wir auch Ruhe für unsere Seelen finden. In der Gemeinschaft mit Jesus, getrennt von der Welt, werden wir selbst im Tal der Trauer und des Weinens Frieden genießen.
N.K.
N.K., in: Nashi Dni Nr. 1855, 27. Dezember 2003