Mit Bedauern muss man feststellen, dass das Leben mancher Christen einem geizigen Reichen gleicht, der am Ertrinken war. Als ein junger Mann den Hilferuf des Unglücklichen hörte, sprang er, sein eigenes Leben riskierend, in das kalte Wasser und rettete ihm das Leben. Am Ufer angekommen, war der Reiche gerührt und reichte dem jungen Mann als Zeichen besonderer Dankbarkeit einen durchnässten Fünf-Rubel-Schein. Der junge Mann nahm die 'Belohnung' für die Rettung seines Lebens gelassen entgegen und sagte lächelnd, während er sich für den Reichen schämte: 'Wenn ich vorher gewusst hätte, dass Ihr Leben nur fünf Rubel wert ist, hätte ich mich niemals in Lebensgefahr begeben...' Wie oft muss unser Erlöser erstaunt sein, wenn er die Kargheit und Armut unserer Dankbarkeit ihm gegenüber sieht. Wie oft erfüllt sich in unserem Leben das russische Sprichwort: 'Beim Ertrinken versprach er eine Axt, aber als er gerettet war, bedauerte er den Axtstiel.' Im Moment unserer Buße und Hinwendung zu Christus geben wir Gott oft Versprechen: den Rest unseres Lebens dem Dienst für Christus und unseren Nächsten zu widmen, ein Leben der Dankbarkeit ihm gegenüber zu führen, mit Christus, in Christus und für Christus zu leben. Doch wie schnell verflüchtigen sich diese guten Absichten und verschwinden! Wie die frühere weltliche Lebensweise allmählich unser Herz erobert und wir wieder nicht aus Liebe, sondern aus Egoismus handeln und nicht für Gott, sondern für uns selbst leben.
Nashi Dni Nr. 1977, 27. Mai 2006