Es wird von einem alten Mann erzählt, der überall mit einem kleinen Gefäß voller Öl herumging. Wenn er durch eine quietschende Tür ging, ölte er die Scharniere. Wenn ein Tor sich schwer öffnete, ölte er den Riegel. Überall, wo er vorbeiging, erleichterte er den Weg für die, die ihm folgten. Die Menschen nannten ihn unterschiedlich: manche sagten, er sei tugendhaft, andere fanden ihn eigenartig, doch unerschütterlich tat er seine Arbeit. Wie viele Menschen gibt es, deren Leben jeden Tag quietscht und stöhnt. Sie brauchen die Salbung mit dem Öl der Freude, Zärtlichkeit und Aufmerksamkeit. Hast du dieses Öl in deinem Herzen? Sei morgens bereit, deinem Nächsten zu helfen. Schenke das Öl der Ermutigung dem, der niedergeschlagen ist, milde das Öl der Barmherzigkeit die sündigen Wunden der Kranken, sage tröstende Worte zu Verzweifelten und weise auf die Quelle der Freude und des Lebenssinnes hin – Christus. Auf unserem Lebensweg mag sich die Gelegenheit nur einmal bieten, jemanden tief zu berühren. In der Nähe einer gnadenreichen Person atmet es sich leicht. Eines Samstags, bevor er nach Hause gehen wollte, beschloss ein Pastor, seine Frau anzurufen. Es war fast 22 Uhr, doch sie ging nicht ans Telefon. Der Pastor wartete lange, doch sie nahm nicht ab. Nach einiger Zeit wählte er die Nummer erneut, und diesmal meldete sie sich sofort. Er fragte sie, warum sie beim ersten Mal nicht abgenommen habe, doch sie sagte, es habe keinen Anruf gegeben. Dieser Vorfall wäre vielleicht vergessen worden, wäre da nicht am Montag im Predigerzimmer der Kirche...
Nashi Dni Nr. 2189, 28. August 2010