Der Sommer dieses Jahres war der wunderbarste und gesegnetste in meinem Leben, weil es Gottes Wille war, unseren Chor „Oasis“ zu einem Dienst nach Israel zu senden, und diese Missionsreise ins Heilige Land wird niemand aus meiner Erinnerung je löschen können. Der Herr beschützte uns, sorgte für uns, schenkte uns Freude und sandte Prüfungen. Gepriesen sei Gott, der alles für uns, Seine Kinder, bedacht hat, uns auf allen Wegen behütete und uns das Glück gab, die heiligen Stätten zu sehen, auf denen Christus mit Seinen Jüngern wandelte, und die Möglichkeit, Seinen Namen im Gebet und Gesang zu verherrlichen.
Wir besuchten viele historische heilige Orte, waren an der Klagemauer, im Garten Gethsemane, gingen den Golgotapfad Christi, sahen das Grab Jesu und vieles mehr. Wir lernten die Gewohnheiten und die Kultur der Israelis kennen, besuchten christliche Kirchen, gingen durch die Straßen von Tel Aviv und überall, wohin wir kamen, verkündeten wir in unseren Liedern den Namen unseres Herrn, des Messias Jesus Christus.
Unsere Seelen füllten sich mit Ehrfurcht, wenn wir diese alten Steine sahen, die Zeugen großer Ereignisse waren, die vor vielen Jahrhunderten stattfanden. Sie bewahrten die Fußspuren Jesu, hörten Seine Predigten, sahen, wie Er nach Golgatha ging...
Ich stellte mir innerlich vor, wie Er Sein Kreuz trug, blutend, wie Schweiss- und Bluttropfen ihre schrecklichen Spuren auf den Steinen hinterließen, während Menschen um Ihn herum spotteten und auf ihren Gott spuckten, der für sie sterben ging. Ich erinnerte mich an die ersten Christen und Apostel, die den Märtyrertod starben wegen des Glaubens, der durch Qual und Leid über die Jahrhunderte zu uns gebracht wurde. Sind wir heute, moderne Christen, bereit, standzuhalten, im Glauben fest zu bleiben und für ihn in schweren Prüfungen zu sterben?
Beim Besuch der Altstadt Jerusalems betraten wir das Gelände der Omar-Moschee, das sich im muslimischen Teil der Stadt befindet, wo Christen aus den Vereinigten Staaten natürlich keine willkommene Gäste waren. Wir näherten uns der Moschee und vermischten uns mit der Menge der Muslime und Touristen. Hier stand einst der Tempel Gottes Israels, von König Salomo erbaut. Ich wollte den Herrn an diesem heiligen Ort preisen und schlug vor, das „Vaterunser“ zu singen. Einige Jugendliche zögerten und waren verwirrt, die Mädchen wurden nervös. Wir wussten nicht, wie die Muslime unser Singen aufnehmen würden, denn sie könnten es als Gotteslästerung ansehen.
Um unsere Chormitglieder zu ermutigen, sagte ich: „Besser hier an diesem heiligen Ort sterben als bei einem Motorradunfall irgendwo.“
Wir sangen das Gebet... Unsere Stimmen stiegen harmonisch zum Himmel empor, unsere Seelen füllten sich mit Liebe zum Herrn und Dankbarkeit Ihm gegenüber, mit Ehrfurcht vor Seiner Größe und dem Glück, Ihn auf diesem alten Heiligen Land zu loben. Viele Touristen, mit denen wir später sprachen, waren erstaunt, dass wir keine Angst vor möglichen Konsequenzen hatten und auf dem für Muslime heiligen Ort ein christliches Lied sangen. Aber das war nicht unser Verdienst; diese Inbrunst für den Dienst schenkt der Herr denen, die Ihn lieben.
Wir sahen auch die negative Seite des Lebens der Israelis. Besonders in Erinnerung blieb mir die Straße in Tel Aviv, die „Betrunkene“ genannt wird, wo Prostitution, Drogenabhängigkeit und andere schreckliche Laster blühen. Wir verteilten Bibeln an diese unglücklichen, verlorenen Menschen, brachten Drogenabhängige in ein Café, fütterten sie zum Abendessen, sprachen mit ihnen und versuchten, sie zu überzeugen, dass sie Gott brauchen, dass Er sie nicht vergessen hat und dass Er ihnen helfen wird, wenn sie sich Ihm zuwenden.
Ich fühlte tiefes Mitgefühl für diese Menschen, die im Leben ganz unten angekommen sind, und dankte dem Herrn, dass Er sie nicht verstoßen hat und auf ihre Umkehr wartet. Ich dankte Gott, dass Er mich vor solch einem schlimmen Schicksal bewahrte, für Seine Liebe und Barmherzigkeit, für Schutz und Fürsorge, für Gaben und Segen, für das Glück, bei Ihm zu sein und Ihm zu dienen.
„Ich will dich, HERR, loben unter den Völkern; ich will dir singen unter den Nationen. Denn groß bis an den Himmel ist deine Gnade und bis zu den Wolken deine Wahrheit. Erhebe dich über den Himmel, o Gott, und über die ganze Erde sei deine Herrlichkeit!“ (Ps.56:10-12).
Ilja Koryaka AUF DEM HEILIGEN LAND
Ilja Koryaka, in: Nashi Dni