Es war der 1. Mai 1990. Der Ort: der Rote Platz in Moskau. "Ist es gerade, Vater?" fragte ein orthodoxer Priester den anderen, während er das schwere, acht Fuß hohe Kreuz auf seiner Schulter verschob. "Ja", sagte der andere. "Es ist gerade." Gemeinsam trugen die beiden Priester, zusammen mit einer Gruppe von Gemeindemitgliedern, die Seile hielten, um die Balken des riesigen Kreuzes zu stabilisieren, die Parade-Route entlang. Vor ihnen zog die offizielle Macht der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken vorbei: die übliche Mai-Demonstration von Panzern, Raketen, Truppen und Ehrungen für die Elite der Kommunistischen Partei. Hinter den Panzern drängte eine riesige Menge von Demonstranten, die Mikhail Gorbatschow zuriefen: "Brot! Freiheit! Wahrheit!" Als die Menge direkt vor dem sowjetischen Führer, der an seinem Ehrenplatz stand, vorbeizog, hoben die Priester ihre schwere Last gen Himmel. Das Kreuz tauchte aus der Menge auf. Dabei verdeckte die Gestalt Jesu Christi die riesigen Poster-Gesichter von Karl Marx, Friedrich Engels und Wladimir Lenin, die den Hintergrund für Gorbatschows Tribüne bildeten. "Mikhail Sergejewitsch!" rief einer der Priester, seine tiefe Stimme durchdrang das Geschrei der Demonstranten und drang direkt zum zornigen sowjetischen Führer. "Mikhail Sergejewitsch! Christus ist auferstanden!"
Charles W. Colson, The Body, Word Publishing, 1992, S. 231