Jakob benötigte eine intime Begegnung mit Gott. Übrigens war Jakob in diesem Kampf nicht der Initiator. In seinem gegen Esau und Laban erhobenen Herausforderung war er leicht siegreich, doch diesmal kämpft er mit dem vorinkarnierten Christus. Er musste ein sehr demütigendes Geständnis machen, als der Engel ihn fragte: „Wie heißt du?“, und er antwortete: „Jakob“. Dieser Name enthielt das Eingeständnis, dass er ein Manipulator, Betrüger und Verdränger war. Die Frage stellt sich: Wozu kämpfte Jakob die ganze Nacht mit dem Engel? Meiner Meinung nach brauchte Jakob so viel Zeit, um in den Zustand zu gelangen, in dem Gott ihn wirklich segnen konnte, das heißt in den Zustand, in dem er sich an alles erinnerte, worin er vor Gott im Unrecht war, es bekannte und Buße tat. Er erinnerte sich an unerfüllte Gelübde, an die Wegnahme des Erstgeburtsrechts von seinem hungrigen Bruder, an den Betrug seines blinden und alten Vaters und später auch seines Onkels Laban. In der Gegenwart des lebendigen und heiligen Gottes wurde Jakobs Gewissen getroffen und geweckt. Die Schuld der Sünde war groß, und er erkannte zum ersten Mal seine Schuld. Zweifellos würden vielen Gläubigen heute nicht einmal eine ganze Nacht ausreichen, um ihre Sünden zu bekennen und sich in Gottes Hände zu geben.
Nashi Dni Nr. 1756, 5. Januar 2002