Es war einmal ein Mensch, der von Gott berührt wurde, und Gott schenkte ihm ein unbezahlbares Geschenk. Dieses Geschenk war die Fähigkeit zur Liebe. Er war dankbar und demütig und wusste, welch außergewöhnliche Sache ihm widerfahren war. Er trug es wie ein Juwel und ging aufrecht und zielgerichtet. Von Zeit zu Zeit zeigte er dieses Geschenk anderen, und sie lächelten und streichelten sein Juwel. Doch es schien, als würden sie es auch ein wenig beschmutzen. Das war kein Umgang mit solch einem kostbaren Ding, also baute der Mensch eine Schachtel, um sein Juwel zu schützen. Er beschloss, es nur denen zu zeigen, die es mit Respekt behandeln und mit ehrfürchtiger Liebe begegnen würden. Doch auch das funktionierte nicht, denn einige versuchten, in die Schachtel einzubrechen. Also baute er eine größere, stärkere Schachtel – eine, in die niemand eindringen konnte – und der Mann fühlte sich gut. Endlich schützte er das Juwel, wie es sein sollte. Gelegentlich, wenn er entschied, dass jemand das Recht verdient hatte, es zu sehen, zeigte er es stolz. Doch manchmal lehnten sie ab, oder sie beschmutzten es, oder sie warfen nur einen uninteressierten Blick darauf. Viel Zeit verging, und dann kam nur noch selten jemand am alternden Mann vorbei; er klopfte auf seine Schachtel und sagte: „Ich habe das schönste Juwel hier drin.“ Ein- oder zweimal öffnete er die Schachtel und bot es an, indem er sagte: „Schau und sieh. Ich möchte, dass du es tust.“ Und der Vorübergehende schaute und schaute, und schaute. Und dann wich er vom alten Mann zurück und schüttelte den Kopf. Der Mann starb, und er ging zu Gott und sagte: „Du hast mir vor vielen Jahren ein kostbares Geschenk gegeben, und ich habe es sicher aufbewahrt, und es ist so schön wie an dem Tag, an dem du es mir gegeben hast.“ Und er öffnete die Schachtel und hielt sie Gott hin. Er blickte hinein, und darin war eine Eidechse – eine hässliche, lachende Eidechse. Und Gott ging von ihm weg. Ja, es gibt eine Hölle.
Lois Cheney, God is no Fool, pp. 33-4