Nach einer langen Schlechtwetterperiode ist heute ein sonniger Tag. Die von der Sonne überflutete Erde wirkt gewaschen und verjüngt. Ein Lüftchen trägt den Duft der vom Regen aufgequollenen Felder, das Wasser in den Gräben kräuselt sich. Hinter dem Zaun in den Büschen zwitschern einige Vögel. Während ich ihren zaghaften Stimmen lausche, blicke ich auf ein unbestelltes Stück Land, überwuchert von dichtem Gras des letzten Jahres, und denke an das Dorf, in dem ich geboren und aufgewachsen bin. Dort herrschen zu dieser Zeit noch Fröste, der Schnee beginnt nicht zu schmelzen, auf den Weiden hüpfen rotbrüstige Gimpel.
In ein paar Tagen wird hier die Erde trocknen und wie eine Brotkruste aussehen. Im Mai muss man die Erde bewässern, und dort, wo man ihr kein Wasser gibt, wird ihre Schönheit verblassen.
Gilt nicht ein ähnliches Gesetz auch für unser geistliches Leben? Ohne himmlische Feuchtigkeit verhärtet die Seele des Menschen. Bei Berührung mit einer solchen Seele ertönt ein dumpfer Klang, wie ein ausgetrocknetes Trommelfell...
Die Sonne wärmt beharrlich, die Verdunstungen der Erde verdichten sich in der Luft. Bei solchem Wetter möchte man ein neues Lied komponieren und es laut, aus voller Kehle singen. Und wie könnte man nicht die Worte dieses neuen Liedes aufschreiben, das von selbst von den Lippen springt und auf Papier drängt:
Ich löse mich von der irdischen Eitelkeit, Umgehe diese schwankenden Grenzen. Für die Menschen blühen Blumen, Die Luft ist frisch. Ich trauere nicht, dass ich Jahre In diesem grauen, formlosen Haufen verloren habe. Niemals, niemals, niemals Wird mein Erlöser mich vergessen.
Ein formloser Haufen erscheinen mir die auf zweihundert Acres verstreuten Fabrikgebäude. In ihnen habe ich 23 Jahre meines Lebens begraben. Aber was bedeuten diese 23 Jahre im Vergleich zur Ewigkeit, die uns Christus versprochen hat? Auf Gottes Uhr ist das weniger als eine Sekunde.
Ein breiter, ununterbrochener Strom des dichten Lärms des hektischen Lebens fließt durch Amerika, und abseits der Straßen, gleich hinter der von Hitze atmenden Fabrik, singen diese herrlichen Vögel, als ob sie die Menschen auslachen: – Seht, ihr Menschen, wie glücklich wir sind! Wir preisen den Schöpfer. Und ihr? Wo sind eure Lieder?
Nashi Dni Nr. 1764, 2. März 2002