Nachdem er in den späten 1930er Jahren aus Hitlers Deutschland geflohen war, fand Albert Einstein Zuflucht in Amerika. Er kaufte ein gemütliches, altes zweistöckiges Haus in einer von Bäumen gesäumten Straße, die zu Fuß von der Princeton University erreichbar war. Dort empfing der weltweit führende Mathematiker einige der angesehensten wissenschaftlichen und politischen Persönlichkeiten seiner Zeit. Er diskutierte mit seinen berühmten Gästen über Themen, die seinen gefeierten Geist beschäftigten – von Physik über Religion bis hin zu Menschenrechten. Viele der großen Ideen, die unsere moderne Welt geprägt haben, wurden hinter den grünen Fensterläden dieses bescheidenen kleinen Hauses geboren. Aber Einstein hatte noch einen anderen häufigen Besucher in seinem Haus. Sie war keine Physikerin oder Weltführerin. Sie war ein zehnjähriges Mädchen namens Emmy. Emmy hatte gehört, dass ein sehr freundlicher Mann, der viel über Mathematik wusste, in ihre Nachbarschaft gezogen war. Da Emmy einige Schwierigkeiten mit der Mathematik der fünften Klasse hatte, beschloss sie, den Mann die Straße hinunter zu besuchen und zu sehen, ob er ihr bei ihren Problemen helfen würde. Einstein war sehr bereit und erklärte ihr alles so, dass sie es leicht verstehen konnte. Er sagte ihr auch, dass sie jederzeit an seine Tür klopfen könne, wenn sie auf ein zu schwieriges Problem stoße. Einige Wochen später erfuhr Emmys Mutter von einer ihrer Nachbarinnen, dass Emmy oft das Haus des weltberühmten Physikers betrat. Als sie Emmy danach fragte, gab das Mädchen zu, dass es so war. "Warum, Emmy!" rief die Mutter aus. "Professor Einstein ist ein sehr wichtiger Mann! Seine Zeit ist sehr wertvoll! Er kann sich nicht mit den Problemen eines kleinen Schulmädchens beschäftigen." Dann eilte Emmys Mutter zu Einsteins Haus und klopfte an die Tür. Als Einstein die Tür öffnete, war sie so verwirrt beim Anblick des berühmten, von Linien gezeichneten Gesichts, der freundlichen Augen und der vertrauten Mähne aus unordentlichem weißen Haar, dass sie nur unzusammenhängend stammeln konnte. Nach einigen Momenten dämmerte Einstein das Verständnis. "Ah! Ich glaube, ich verstehe. Sie sind Emmys Mutter, nicht wahr?" "Ja," sagte sie, seufzend vor Verlegenheit, "und es tut mir so leid, dass sie hierher gekommen ist und Sie belästigt hat—" "Belästigt mich! Ach, nein!" lachte er. "Warum, wenn ein Kind so viel Freude am Lernen findet, dann ist es meine Freude, ihr beim Lernen zu helfen! Bitte hindern Sie Emmy nicht daran, mit ihren Schulproblemen zu mir zu kommen. Sie ist jederzeit in diesem Haus willkommen."
Ron Lee Davis, Courage to Begin Again, Harvest House Publishers, Eugene, OR; 1978, S. 169-170
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