„Mama, was bedeutet das Wort 'Opfer'?“, fragte die siebenjährige Dorothy. Die Mutter hörte auf, an dem Kleid zu arbeiten, das sie nähte, und schaute ihre Tochter an. „Opfern, meine Liebe, bedeutet, etwas zu geben, das dir selbst teuer ist oder das du gerne hättest; und du tust es, um jemand anderem Freude zu bereiten. Zum Beispiel hörst du von einem kleinen Mädchen, das sich eine Puppe wünscht, aber ihre Eltern sind arm und können ihr keine kaufen. Und nehmen wir an, du gibst deine beste Puppe, die dir Tante Ella geschickt hat. Ich denke, es würde dir sehr leid tun, die Puppe zu geben, nicht wahr? Aber wenn du die Puppe gibst, dann ist das ein Opfer von deiner Seite. Hast du das verstanden?“ „Ja, Mama, ich glaube, ich habe es verstanden.“ „Nun, jetzt, meine Liebe, bitte ich dich, in den Laden zu gehen und einen halben Meter Stoff zu kaufen, damit ich dein Kleid fertigstellen kann. Hier ist ein Stück Stoff und ein Dollar. Wenn er fünfundsiebzig Cent kostet, kannst du dir für fünfundzwanzig Cent ein Eis kaufen. Wenn er fünfzig Cent kostet, bleibt dir fünfzig Cent übrig, dann kauf auch für mich eins. Ich mag Vanille.“ „Und ich liebe Schokolade!“ „Gut. Nun, lauf.“ Dorothy konnte kaum erwarten, bis der Verkäufer den Kauf einpackte. Sie konnte es kaum erwarten, in den kleinen Laden zu laufen, wo es Eis gab. Der Verkäufer reichte dem Mädchen den Einkauf. „Wie viel?“, fragte Dorothy. Natürlich wusste sie, dass es nur fünfzig Cent kostet, aber sie fragte nach dem Preis, um wie ein Erwachsener zu wirken. „Fünfundsiebzig Cent“, antwortete der Verkäufer. Dorothys Gesicht zeigte Enttäuschung. „Sind Sie sicher?“, fragte sie mit schwacher Stimme. „Ja, meine Liebe.“ „Oh!..“ Auf dem Weg zum Lädchen dachte Dorothy nach. Es blieben nur fünfundzwanzig Cent übrig. Das bedeutete, dass Mama kein Eis bekommen würde. Dorothy war traurig für ihre Mama, aber sie würde sich eins kaufen, und das machte sie zufrieden. Sie betrat das Lädchen. „Eine Portion Eis, bitte.“ Der ältere Verkäufer fragte freundlich: „Welches möchtest du?“ „Schoko... nein, Vanille“, antwortete sie. Dann fügte sie hinzu: „Meine Mama mag Vanille.“ Wie schnell sie nach Hause rannte! „Hier ist dein Eis, Mama“, rief sie, als sie ins Haus stürmte. „Iss schnell, damit es nicht schmilzt!“ „Danke, meine Liebe. Und wo ist deins?“ Aber Dorothy war schon aus dem Haus gelaufen. „Sie muss es auf dem Heimweg gegessen haben“, dachte die Mama. Am Abend, nach dem Gebet, lag Dorothy im Bett und dachte nach. „Ich bin so froh, dass ich gelernt habe, was 'opfern' bedeutet“, flüsterte sie. „Aber es bedeutet sogar mehr, als Mama mir gesagt hat. Es bedeutet, jemand anderem zu geben, um ihm Freude zu bereiten, aber es scheint, dass du dich noch mehr freust. Das ist interessant. Ich werde versuchen, so oft wie möglich zu opfern!“, beschloss Dorothy, bevor sie fest einschlief. Oh, mein kleiner Freund, möchtest du nicht auch opfern, um diese Freude zu erleben?
G. Mehonzeva, in: Nashi Dni Nr. 1775, 18. Mai 2002