Matthäus lebte bis ins hohe Alter. Er lebte rechtschaffen, beleidigte niemanden und liebte es, durch ehrliche Arbeit Reichtum zu sammeln. Matthäus hatte erwachsene Söhne, die arbeiten konnten, und er selbst verstand es gut, den Haushalt zu führen, so dass sich viel Reichtum ansammelte. Doch es kam die Zeit, dass der alte Mann sterben musste, und seine Seele begab sich zu den himmlischen Toren. Lange stand sie dort und wartete, aber die Tore öffneten sich nicht. Matthäus begann zu überlegen, ob er in irgendetwas gesündigt hatte, und erinnerte sich an sein irdisches Leben, fand aber nichts Schlechtes an sich. Schließlich öffneten sich die Tore, ein Engel Gottes trat heraus und sprach zu ihm: „Dein Name steht nicht im Buch des Lebens, du bist vor Gott schuldig.“ „Worin?“, fragte Matthäus verwundert. „Du fühlst keine Sünde in dir“, erklärte ihm der Engel. „Du bist vor deinen Kindern schuldig. Du hast sie mit nichts zurückgelassen.“ „Wie mit nichts?“, entgegnete Matthäus. „Ich habe so viel Reichtum und Güter für sie hinterlassen! Nein, das Urteil Gottes ist nicht gerecht.“ So sehr der Engel es ihm auch erklärte, Matthäus beharrte auf seinem Standpunkt. Da nahm der Engel Gottes ihn und stieg mit ihm zur Erde hinab. „Schau“, sagte er. Matthäus schaute, aber seine Söhne waren nicht da. Der Älteste saß im Gefängnis: Er hatte seinen Bruder während der Teilung des Erbes getötet. Der Jüngste wanderte umher. Der ganze Besitz war zerstört; Scheunen und Speicher waren leer. Im Haus herrschte schreckliche Armut. Die Schwiegertochter saß in zerrissener Kleidung, um sie herum drängten sich halbnackte Kinder und weinten kläglich: „Mama, Essen! Mama, Essen!“ „Siehst du?“, sagte der Engel Gottes. „Du hast dich darum gekümmert, nicht die Seelen deiner Kinder zu bereichern, sondern nur das Vergängliche und Eitle.“ Da erkannte Matthäus seine Sünde und erkannte das gerechte Urteil Gottes an. „So ergeht es dem, der Schätze für sich sammelt und nicht reich in Gott ist.“ (Lukas 12:21)
Nashi Dni, 24. Mai 2008, Nr. 2077, S. 6