Unter den Völkern gibt es eine Parabel über einen jungen Gelehrten und einen Bootsmann. Ein talentierter junger Mann, der einen hohen akademischen Grad erlangt hatte, kehrte in gehobener Stimmung in sein Heimatdorf zurück. Als er den Fluss überquerte, konnte er nicht widerstehen, den Bootsmann auf seine Gelehrsamkeit aufmerksam zu machen. „Lesen Sie französische Klassiker im Original?“ Der Bootsmann schüttelte den Kopf und antwortete: „Nein, Herr, ich habe sie nicht gelesen – ich kenne die französische Sprache nicht.“ Der junge Gelehrte seufzte bedauernd: „Ohne die französische Sprache zu kennen, verlieren Sie einen Teil des Vergnügens in Ihrem Leben.“ Unermüdlich fuhr er fort: „Und wissen Sie, was Philosophie ist?“ Der Bootsmann antwortete verlegen: „Nein, Herr. Was ist Philosophie?“ Der Gelehrte seufzte enttäuscht: „Ach! Und Philosophie kennen Sie auch nicht! Dann verlieren Sie die Hälfte Ihres Lebens!“ Inzwischen brach ein Sturm los. Das Boot begann stark zu schwanken und wurde mit Wasser überflutet. Der besorgte Bootsmann wandte sich an den jungen Gelehrten: „Herr! Können Sie schwimmen?“ Der Gelehrte antwortete panisch: „Nein! Nein! Ich habe nie schwimmen gelernt!“ Der Bootsmann sagte ruhig: „Dann riskieren Sie zu ertrinken!“ – und warf ihm sofort einen Rettungsring zu.
Der Apostel Jakobus schreibt im dritten Kapitel des Briefes gerade über diejenigen, die dazu neigen, andere selbstgefällig zu belehren. In dem oben angeführten Text wird erklärt, wie man wahrhaft weise Menschen erkennen soll. Oft hält man kluge Menschen für weise. Doch diese Definition ist nicht ganz richtig, denn Weisheit ist die Fähigkeit, auftretende Probleme schnell, flexibel und richtig wahrzunehmen und zu lösen. Die Menschen dieser Welt aber sind Sünder. Und sie werden kaum in der Lage sein, Angelegenheiten wirklich richtig und gerecht zu entscheiden. Das biblische Verständnis von Weisheit unterscheidet sich völlig vom weltlichen Begriff. In der Bibel heißt es, dass der Anfang der Weisheit die Erkenntnis Gottes und die Furcht des Herrn ist. Gottes Weisheit ist sowohl am geistlichen als auch am moralischen Leben des Menschen beteiligt. „Wandle auf dem Weg der Guten und halte dich an den Pfad der Gerechten (Spr. 2:30).
Nashi Dni Nr. 1914, 26. Februar 2005