Der Frühling kam. Die Bäume wurden grün. Doch ein Blatt wollte nicht aus seiner Knospe herauskommen. "Ich habe Angst", sagte es, "ich habe Angst... Was, wenn es dort draußen schrecklich ist?" Es streckte die Spitze heraus und sah die Sonne. "Es ist schrecklich", sagte es und wollte sich wieder verstecken. Doch die Knospe war bereits geplatzt und drückte es heraus. Und am Baum erschien noch ein Blatt. Viele Blätter waren am Baum. Doch eines hatte Angst. Wenn es regnete, hatte es Angst. Wenn der Wind blies, hatte es Angst. "Was, wenn ich falle?.. Ich falle und gehe verloren..." Und so lebte es – lebte nicht wirklich. Es versteckte sich. Hinter Blättern, hinter Zweigen... Der Herbst kam. Die Blätter begannen sich vom Baum zu lösen. Eines fiel. Ein anderes. Der Wind spielte mit den Blättern. Er wirbelte sie durch die Luft. Er wirbelte sie, wirbelte sie und legte sie auf den Boden. Doch das Blatt hing und dachte: "Es ist schön zu fliegen! Ich werde mich lösen und fliegen." Doch dann: "Nein", dachte es, "es ist schrecklich." Und es hing weiter. Bald waren alle Bäume kahl. Nur dieses eine Blatt blieb und versteckte sich immer noch hinter den Zweigen. Unten auf dem Boden hatten sich ganze Haufen von Blättern angesammelt. Die Menschen sammelten sie zusammen. Sie begannen, sie zu verbrennen. Die Blätter brannten hell. Und in der Luft roch es nach Rauch. "Ich werde mich lösen", dachte das Blatt, "ich werde verbrennen. Als Rauch werde ich in den Himmel fliegen. Schön." Dann: "Nein", dachte es, "es ist schrecklich. Ich werde noch warten." Und es blieb. Der Winter kam. Und nur ein Blatt blieb am Baum. Schrumpelig, erbärmlich...
Svetlana Petrenko, in: Nashi Dni Nr. 1961, 4. Februar 2006