Während er eines Tages durch den Wald ging, fand ein Mann einen jungen Adler, der aus seinem Nest gefallen war. Er nahm ihn mit nach Hause und setzte ihn in seinen Hühnerhof, wo er bald lernte, wie die Hühner zu essen und sich zu verhalten. Eines Tages kam ein Naturforscher vorbei und fragte, warum der König aller Vögel im Hühnerhof mit den Hühnern leben sollte. Der Bauer antwortete, dass er ihm Hühnerfutter gegeben und ihn zum Huhn erzogen habe, sodass er nie gelernt habe zu fliegen. Da er sich nun wie die Hühner verhielt, sei er kein Adler mehr. „Dennoch hat er das Herz eines Adlers“, entgegnete der Naturforscher, „und kann sicherlich das Fliegen lernen.“ Er hob den Adler in Richtung Himmel und sagte: „Du gehörst zum Himmel und nicht zur Erde. Breite deine Flügel aus und fliege.“ Der Adler war jedoch verwirrt. Er wusste nicht, wer er war, und als er die Hühner ihr Futter essen sah, sprang er wieder zu ihnen hinunter. Der Naturforscher brachte den Vogel auf das Dach des Hauses und forderte ihn erneut auf: „Du bist ein Adler. Breite deine Flügel aus und fliege.“ Aber der Adler hatte Angst vor seinem unbekannten Selbst und der Welt und sprang erneut für das Hühnerfutter hinunter. Schließlich brachte der Naturforscher den Adler aus dem Hühnerhof auf einen hohen Berg. Dort hielt er den König der Vögel hoch über sich und ermutigte ihn erneut: „Du bist ein Adler. Du gehörst zum Himmel. Breite deine Flügel aus und fliege.“ Der Adler schaute umher, zurück zum Hühnerhof und hinauf zum Himmel. Dann hob der Naturforscher ihn direkt in Richtung Sonne, und es geschah, dass der Adler zu zittern begann. Langsam breitete er seine Flügel aus und mit einem triumphierenden Schrei schwebte er in den Himmel. Es mag sein, dass der Adler sich noch mit Nostalgie an die Hühner erinnert. Vielleicht besucht er gelegentlich den Hühnerhof. Aber soweit bekannt, ist er nie zurückgekehrt, um das Leben eines Huhns zu führen.
Theology News and Notes, Oktober 1976, zitiert in Multnomah Message, Frühling 1993, S. 1