Wenn wir in der Familie oder am Arbeitsplatz ungerecht behandelt werden, fühlen wir uns abgelehnt. Ein junger Mann verlässt seine Freundin und beginnt, sich mit einer anderen zu treffen. Die zurückgewiesene Freundin schwört sich in ihrer Kränkung, nie wieder einem Mann zu vertrauen... Eines Tages hört ein Vater im Zimmer seines Sohnes zu laute Musik, die ihm nicht gefällt, geht zu ihm hinein und verbietet ihm in scharfem Ton, diese Musik zu hören. Der Sohn konnte seinem Vater diese Kränkung erst zwanzig Jahre später verzeihen... Viele Menschen, die von Eltern, Freunden, Vorgesetzten und sogar von Dienern Demütigungen erfahren, nehmen die Beleidigungen ihrer Persönlichkeit mit Herzschmerz auf und leiden, bis sie vergeben. Bitterer Vorwurf an seinen Vater klang einst die Antwort der gekränkten Tochter: „Du hast mich nie geliebt, wolltest keine Zeit mit mir verbringen, hast dich nie für meinen Schmerz interessiert, hast mir nie zugehört. Deine Liebe – leere Worte, lieber Vater.“ Es ist schlimm, wenn Beleidigte nicht vergeben, sondern sich unabhängig und hochmütig verhalten und darauf warten, dass der Beleidiger um Vergebung bittet. Und wenn sich diese Erwartungen nicht erfüllen, verschwenden die Beleidigten ihre letzten Kräfte damit, sich zu verteidigen und sich selbst zu bemitleiden. So fügen Menschen, die in ihrem Herzen das Gefühl der Unversöhnlichkeit nähren, sich selbst Leid zu. Sie werden sagen, dass es schwer ist zu vergeben, wenn der Beleidiger in seiner stolzen Selbstgerechtigkeit nicht um Vergebung bittet. Aber hier ist eine Geschichte. Ein Onkel, der seine Nichte schlecht behandelte und jahrelang ihre Ehre verletzte, verschwand eines Tages. Sie aber suchte den Herrn und fand ihn schon nach vielen Jahren. Alles war nun gut in ihrem Leben, aber sie konnte dem Onkel einfach nicht vergeben. Und dann brachte sie einfach ihre ganze Bitterkeit, ihren Herzschmerz und ihre Kränkung zu den Füßen des Herrn. Gott schenkte ihr Vergebung, Befreiung und Frieden im Herzen.
David Peters, in: Nashi Dni