Als Rosina Hernandez auf dem College war, besuchte sie einmal ein Rockkonzert, bei dem ein junger Mann brutal von einem anderen verprügelt wurde. Niemand versuchte, die Schlägerei zu stoppen. Am nächsten Tag war sie sprachlos, als sie erfuhr, dass der Jugendliche an den Folgen der Prügel gestorben war. Doch weder sie noch jemand anderes hatte eine Hand gerührt, um ihm zu helfen. Sie konnte das Ereignis und ihre Verantwortung als untätige Zuschauerin nie vergessen. Einige Jahre später erlebte Rosina eine weitere Katastrophe. Ein Auto, das vor ihr im Regen fuhr, geriet plötzlich ins Schleudern und stürzte in die Biscayne Bay. Das Auto landete kopfüber im Wasser, nur das Heck war zu sehen. In einem Moment tauchte eine Frau an der Oberfläche auf, schrie um Hilfe und sagte, ihr Mann sei im Auto eingeklemmt. Diesmal wartete Rosina nicht auf andere. Sie sprang ins Wasser, versuchte erfolglos, die Autotür zu öffnen, und schlug dann auf das hintere Fenster ein, während andere Zuschauer auf der Straße standen und zusahen. Zuerst schrie sie sie an und flehte um Hilfe, dann beschimpfte sie sie und sagte, dass ein Mann im Auto sterbe. Erst ein Mann, dann ein weiterer, kamen schließlich zur Hilfe. Gemeinsam brachen sie das Sicherheitsglas und zogen den Mann heraus. Sie kamen gerade noch rechtzeitig – ein paar Minuten später wäre es zu spät gewesen. Die Frau dankte Rosina dafür, dass sie ihren Mann gerettet hatte, und Rosina war begeistert, getragen von einem emotionalen Hoch, das Wochen anhielt. Sie hatte sich versprochen, nie wieder zu versagen, wenn es darum ging, ein Menschenleben zu retten. Sie hatte ihr Versprechen gehalten.
Bits & Pieces, June 24, 1993, S. 20-21