Vielleicht haben Sie auf einer Hochzeit schon einmal die Szene 'Ein freundliches Wort' gesehen? Die Moral dieser Szene ist: Wenn die Flitterwochen vorbei sind, vergessen Ehepaare oft, freundliche Worte im Umgang miteinander zu verwenden, und manchmal kostet es sie enorme Anstrengungen, sich gegenseitig zu entschuldigen. Ich denke, viele können die Wahrheit dieser Szene bestätigen. Eines Tages, als ich von einer Dienstreise nach Hause zurückkehrte, dachte ich dankbar an meine Familie und daran, dass Gott uns in ihr eine so wunderbare 'Oase' schenkt. Zu Hause angekommen, teilte ich diese Gedanken mit meinen Angehörigen und schlug vor, aufmerksamer zueinander zu sein. Alle fanden, dass dies eine sehr gute Idee sei; wir besprachen noch einige Details, auf die wir besonders achten sollten, und waren mit uns zufrieden. Es verging nur kurze Zeit, und ich musste den jährlichen Steuerbericht erstellen. Ich sammelte alle dafür notwendigen Dokumente und bereitete sie vor, obwohl bis zum Abgabetermin noch genügend Zeit war. Am festgelegten Tag stand ich früh auf und wollte mich auf den Weg machen. Ich öffnete das Fach im Schrank, in dem wir die Dokumente aufbewahren, fand aber die von mir vorbereiteten Papiere nicht. Ich durchsuchte alles noch einmal: Sie waren nicht da, und die Zeit drängte bereits! Ich rief meine Frau, die dasselbe tat und ebenfalls die benötigten Dokumente nicht fand! Wir durchsuchten alles noch einmal – ohne Erfolg. 'Hier sind sie nicht', schloss sie, 'überlege, wohin du sie gelegt haben könntest.' Und meine Frau kehrte zu ihren Hausarbeiten zurück. Mir war nicht nach Scherzen zumute, ich wollte schon meine Stimme erheben, sogar schreien, denn ich hatte alles im Voraus vorbereitet, aber plötzlich erinnerte ich mich an unser kürzliches Abkommen und erkannte, dass es der Feind der menschlichen Seelen ist, der nicht will, dass in unserer Familie Frieden herrscht. Ich fiel auf die Knie und rief laut zum Herrn: 'Mein Gott, wir haben uns darauf geeinigt, Frieden in der Familie zu haben, und der Teufel will ihn stören. Du weißt, wo sich die Dokumente befinden, die ich jetzt brauche, zeige mir bitte, wo sie sind. Amen.' Nachdem ich von den Knien aufgestanden war, ging ich zu demselben Schrankfach, öffnete die Tür und sah sofort den großen Umschlag, in den ich alle notwendigen Papiere gelegt hatte. 'Ich preise Dich, Herr, dass Du so wunderbar auf mein Gebet geantwortet und den Frieden in unserer Familie bewahrt hast!' rief ich freudig aus.
Eduard Plat, in: Nashi Dni