Ein armer alter Landstreicher, zerlumpt und ungepflegt, stand vor dem Schaufenster eines prunkvollen Saloons in New Orleans. Zwei modische junge Männer bemerkten ihn, und einer sagte zum anderen: „Hey, lass uns den barmherzigen Samariter spielen und dem Landstreicher einen Drink spendieren.“ Der andere stimmte begeistert zu, und der Landstreicher schlurfte hinter ihnen in den Saloon. Als er mit zitternder Hand den Schnaps ins Glas goss, sagte einer der jungen Männer: „Halte eine Rede für uns!“ Der Landstreicher trank den Schnaps mit einem heftigen Durst hinunter, dann richtete er sich auf und stand vor ihnen mit einer Anmut und Würde, die all seine Lumpen und sein Schmutz nicht verbergen konnten. „Meine Herren“, sagte er, „ich sehe heute Abend euch und mich an, und es scheint mir, als blicke ich auf das Bild meiner verlorenen Männlichkeit. Dieses aufgedunsene Gesicht war einst so jung und schön wie eures. Diese schlurfende Gestalt ging einst so stolz wie eure, ein Mann in der Welt der Männer. Auch ich hatte einst ein Zuhause, Freunde und eine Stellung. Ich hatte eine Frau, so schön wie ein Künstlertraum, und ich ließ die kostbare Perle ihrer Ehre und ihres Respekts im Weinkelch fallen. Ich hatte Kinder, so süß und lieblich wie Frühlingsblumen, und ich sah sie unter dem verheerenden Fluch eines trunksüchtigen Vaters verblühen und sterben. Heute bin ich ein Ehemann ohne Frau, ein Vater ohne Kind, ein Landstreicher ohne ein eigenes Zuhause, ein Mann, in dem jeder gute Impuls tot ist – alles, alles verschlungen im Strudel des Alkohols.“ Der Landstreicher hörte auf zu sprechen. Das Glas fiel aus seinen kraftlosen Fingern und zerschellte in tausend Stücke auf dem Boden. Die schwingenden Türen öffneten sich und schlossen sich wieder, und er war verschwunden. Möge der junge Mann, dem ein Glas Wein angeboten wird, sich an seine Predigt erinnern.
Quelle unbekannt