Vor einigen Jahren führten die Psychologin Ruth W. Berenda und ihre Mitarbeiter ein interessantes Experiment mit Teenagern durch, um zu zeigen, wie eine Person mit Gruppendruck umgeht. Der Plan war einfach. Sie brachten Gruppen von zehn Jugendlichen in einen Raum für einen Test. Anschließend wurde jede Gruppe von zehn angewiesen, die Hand zu heben, wenn der Lehrer auf die längste Linie auf drei separaten Tafeln zeigte. Was eine Person in der Gruppe nicht wusste, war, dass neun der anderen im Raum zuvor angewiesen worden waren, für die zweitlängste Linie zu stimmen. Unabhängig von den Anweisungen, die sie hörten, sollten die neun, sobald sie alle zusammen in der Gruppe waren, nicht für die längste Linie stimmen, sondern für die nächstlängere Linie. Das Experiment begann mit neun Teenagern, die für die falsche Linie stimmten. Der unwissende Teilnehmer schaute typischerweise umher, runzelte verwirrt die Stirn und hob zögernd seine Hand mit der Gruppe. Die Anweisungen wurden wiederholt und die nächste Karte wurde gezeigt. Immer wieder saß der unsichere Teilnehmer da und behauptete, eine kurze Linie sei länger als eine lange Linie, einfach weil ihm der Mut fehlte, die Gruppe herauszufordern. Diese bemerkenswerte Konformität trat in etwa 75 % der Fälle auf und war sowohl bei kleinen Kindern als auch bei Schülern der Oberstufe zu beobachten. Berenda schloss daraus, dass „manche Menschen lieber Präsident als im Recht sein wollen“, was sicherlich eine treffende Einschätzung ist.
C. Swindoll, Living Above the Level of Mediocrity, S. 225