Kurz nach unserer Hochzeit kauften meine Frau und ich einen antiken Esstisch aus polierter Kiefer. Wir schätzten ihn sehr, bewunderten seinen luxuriösen bernsteinfarbenen Ton der glatten Oberfläche und polierten sie liebevoll. Mit der Ankunft der Kinder stellten wir fest, wie weich die Kiefer war. Eines Abends machte unser achtjähriger Sohn seine Mathematikhausaufgaben auf diesem Tisch und zu unserem Ärger waren alle Aufgaben (durch das Papier hindurch!) in die Tischoberfläche eingraviert. Im Laufe der Zeit erlebte der Tisch noch viele weitere Missgeschicke, die Dellen von geworfenen Bauklötzen, Spuren von Spielzeugautos, Kratzer von der Nähmaschine und der Schreibmaschine sowie Brandflecken von einem heißen Weihnachtsgericht hinterließen. Doch er blieb unser Lieblingsmöbelstück, da er die Spuren des Lebens unserer Familie trug. In gewisser Weise ähnelt unser Leben diesem Tisch. Wir alle tragen die Spuren des Lebens: 'Dellen' und 'Kratzer' von Traurigkeiten, Fehlern, Enttäuschungen und oft von unseren Dummheiten. Und wie bequem wäre es, zu denken, dass Gott nichts gegen diese Narben hat! Oh, nein! Aber Er will nicht, dass wir kosmetische Perfektion anstreben; Er möchte, dass wir so zu Ihm kommen, wie wir wirklich sind, mit all unseren 'Narben'. Er erwartet uns und vergibt sie uns, indem Er unser Leben erneuern und uns zu neuen Menschen machen möchte, ohne Makel und Schäden. Allbarmherziger Vater! Gib uns die Weisheit, uns Dir zuzuwenden, ohne uns um unsere vergangenen Irrtümer und Fehler zu sorgen. 'Und Abraham sprach zu Lot: Lass keinen Streit zwischen mir und dir und zwischen meinen Hirten und deinen Hirten sein, denn wir sind Brüder. Ist nicht das ganze Land vor dir? Trenne dich doch von mir. Wenn du nach links gehst, werde ich nach rechts gehen, und wenn du nach rechts gehst, werde ich nach links gehen.' (1. Mose 13:8-9)
Richard H. Schneider, in: Nashi Dni