Vor Jahren predigte ich in der kleinen Stadt Roosevelt, Washington, am Nordufer des Columbia River. Ich war Gast bei Freunden, die Schafzüchter waren. Es war Lammzeit und jeden Morgen gingen wir hinaus, um die Lämmer zu sehen – Hunderte von ihnen – die auf dem Grün spielten. Eines Morgens war ich überrascht, als ich ein altes Mutterschaf über die Straße laufen sah, gefolgt von dem seltsamsten Lamm, das ich je gesehen hatte. Es schien sechs Beine zu haben, und die Haut schien teilweise von seinem Körper gerissen zu sein, was mich glauben ließ, dass das arme kleine Geschöpf schrecklich leiden musste. Aber als einer der Hirten das Lamm fing und zu mir brachte, wurde das Rätsel gelöst. Dieses Lamm gehörte ursprünglich nicht zu diesem Mutterschaf. Sie hatte ein Lamm, das von einer Klapperschlange gebissen wurde und starb. Dieses Lamm, das ich sah, war ein Waisenkind und brauchte die Fürsorge einer Mutter. Aber zunächst weigerte sich das verwaiste Mutterschaf, etwas mit ihm zu tun zu haben. Sie schnüffelte daran, als es zu ihr gebracht wurde, und stieß es dann weg, als wollte sie so deutlich wie ein Schaf sagen: „Das ist nicht unser Familiengeruch!“ Also häuteten die Hirten das Lamm, das gestorben war, und zogen das Fell sehr sorgfältig über das lebende Lamm. Dies ließ die Hinterbeinabdeckungen lose hängen. So bedeckt, wurde das Lamm erneut zu dem Mutterschaf gebracht. Sie roch es noch einmal und schien diesmal völlig zufrieden und nahm es als ihr eigenes an. Es schien mir ein schönes Bild der Gnade Gottes gegenüber Sündern zu sein. Wir sind alle Ausgestoßene und haben keinen Anspruch auf Seine Liebe. Aber Gottes eigener Sohn, das „Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt“, ist für uns gestorben und nun sind wir, die wir glauben, in das Fell des Lammes gekleidet, das gestorben ist. So hat Gott uns in Ihm angenommen, und „es gibt jetzt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.“ Wir sind dem Herzen des Vaters so lieb wie Sein eigener heiliger, makelloser Sohn. „So lieb, so sehr lieb zu Gott, Lieber kann ich nicht sein; Die Liebe, mit der Er Seinen Sohn liebt, So ist Seine Liebe zu mir. So nah, so sehr nah zu Gott, Näher könnte ich nicht sein, Denn in der Person Seines Sohnes bin ich so nah wie Er.“
H. A. Ironside, Illustrations of Bible Truth, Moody Press, 1945, S. 33-34